Wirtschaft : Eine neue Wette auf Kirch

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Von henrik Mortsiefer

Das Szenario kommt einem bekannt vor: Wie in der heißen Phase des Kirch-Zusammenbruchs werden täglich Spekulationen über die Zukunft des bröckelnden Medienkonzerns verbreitet. Was bleibt übrig vom maroden Reich aus Sendern, Film- und Sportrechten? Wieviel ist es noch wert? Welche Bank muss wieviel Geld abschreiben? Wer werden die neuen Eigentümer sein? – Am Ende gab es eine Antwort auf die vielen Fragen, die lange für undenkbar gehalten wurde: Das Kirch-Imperium zerfiel, der Patriarch zog im Groll davon, seine Manager kapitulierten. Dass einmal der Insolvenzverwalter Leo Kirchs Erbe verteilen würde, darauf hätte vor Jahren niemand gewettet.

Jetzt läuft eine neue Wette: Gibt es den Rest von Kirch im Paket oder kommen die Teile einzeln auf den Markt? Das Bieterverfahren hat außer unverbindlichen Angeboten noch keine Klarheit gebracht. Keiner weiß, welches Konsortium im Ernstfall wieviel für welche Teile bieten würde. Im Zweifel wollen sie alle nur das eine: die Fernsehsender von ProSiebenSat1. Doch das wollen die Sanierer nicht. Sie glauben noch an den integrierten Medienkonzern.

Aber die Zeit spielt gegen die Resteverwerter. Die Perle ProSiebenSat1 rutscht jeden Tag tiefer in die Werbekrise. Ende September geht Kirch-Media der letzte Kredit aus. Verständlich, dass sich in der schwersten Medienflaute seit 50 Jahren ein Konglomerat wie der Kirch-Konzern nicht über Nacht sanieren lässt. Das Insolvenzverfahren kommt jedoch noch aus anderen Gründen nicht voran. Die Sanierer stecken im Interessengerangel zwischen Kirch-Veteranen, Milliarden-Gläubigern und ungeliebten Investoren – siehe Springer – fest.

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