Wirtschaft : "Eine Niederlage für DaimlerChrysler" (Interview)

Herr Diez[passen GM],Fiat gut zusammen?

Willi Diez leitet das Institut für Automobilwirtschaft an der Fachhochschule Nürtingen.

Herr Diez, passen GM und Fiat gut zusammen?

Diese Konstellation hat mich schon überrascht, und für beide Unternehmen sehe ich auch nur einen begrenzten Nutzen durch die Allianz. Fiat ist angeschlagen und kämpft mit Problemen auf den europäischen und brasilianischen Märkten. Es ist also kaum zu erkennen, wo Synergien liegen können.

Warum geht es Fiat so schlecht?

Fiat ist traditionell sehr stark vom italienischen Markt abhängig, wo der Marktanteil zwischen 40 und 45 Prozent liegt. Nachdem jedoch in Italien vor einigen Jahren eine Verschrottungsprämie auslief, verlor der Markt an Volumen. Des Weiteren ist Fiat in Brasilien aufgrund der dortigen Wirtschaftskrise unter die Räder gekommen, und schließlich fehlen im Sortiment starke Modelle wie sie etwa Renault oder Peugeot haben.

Gibt es nicht starke Überschneidungen von Fiat mit der GM-Tochter Opel?

Durchaus, beide haben ein ähnliches Produktprogramm. Es wird also einen hausinternen Wettbewerb geben. Vielleich war das ja der Hintergedanke der GM-Führung, um über Fiat die Rüsselsheimer Tochter Opel etwas flotter zu machen.

Bei Fiat war auch DaimlerChrysler im Gespräch. Was machen die Stuttgarter nun?

Für DaimlerChrysler ist das schon eine gewisse Niederlage. Fiat wäre ein Partner mit hoher Kleinwagenkompetenz gewesen, mit dem auch das Smart-Problem hätte gelöst werden können. Die angestrebte Beteiligung von DaimlerChrysler an Mitsubishi ist in diesem Zusammenhang nur die zweitbeste Lösung. Fiat wäre für DaimlerChrysler, auch aus kulturellen Gründen, einfacher zu handhaben gewesen.

Beschleunigt sich nun der Fusionsprozess in der Autobranche?

Jedenfalls kommen die beiden französischen Hersteller als die Hauptwettbewerber von Fiat unter Druck. VW ist, was Preise und Image anbelangt, etwas über Fiat angesiedelt. Aber mittelfristig könnten die Kosteneinsparungen bei GM/Fiat zu einer Verschärfung des Preiswettbewerbs führen.

Wer ist das nächste Übernahmeopfer?

Von der Unternehmensgröße und der Gesamtkonstellation wird natürlich BMW als Übernahmekandidat gehandelt. Wann das der Fall ist, hängt ganz entscheidend von der Schmerzgrenze der Familie Quandt ab, die den größten BMW-Anteil hält.Das Gespräch führte Alfons Frese.

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