Wirtschaft : Eine Panne vor der Wahl

Die IG Metall bestätigt Berthold Huber als Chef – nach einer überraschenden Niederlage

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Kleine Krise. Huber scheiterte mit dem Versuch, den Vorstand zu verkleinern. Foto: dpa
Kleine Krise. Huber scheiterte mit dem Versuch, den Vorstand zu verkleinern. Foto: dpaFoto: dpa

Karlsruhe - Am Ende eines langen Tages stand die Basis auf und feierte ihren Vorsitzenden, den sie gerade mit einem Ergebnis wieder gewählt hatte, wie es zuletzt in den 60er Jahren ein IG-Metall-Chef einfahren konnte. Erleichterung in der Karlsruher Messehalle, die Delegierten bejubelten Berthold Huber und ihre eigene Geschlossenheit, nachdem sie sich zuvor wieder einmal zerrissen gezeigt hatten.

Es war eine Klatsche mit Tiefenwirkung, als der Gewerkschaftstag am Dienstagmittag dem eigenen Vorstand nicht folgte. Huber reagierte sofort und versuchte das neue Aufbrechen alter Gräben zu verhindern. „Ich denke nicht in den Kategorien von Siegern und Verlierern“, beschwichtigte der IG-Metall-Chef seine Basis und bat sie, es ihm gleichzutun. Die 471 Delegierten hatten nicht mit der erforderlichen Zwei-Drittel-Mehrheit für eine Satzungsänderung gestimmt, die eine Verkleinerung des Vorstands von sieben auf fünf Mitglieder vorsah. Keine weltbewegende Sache, eigentlich. Doch offenbar ist die IG Metall, die Huber in den vergangenen vier Jahren souverän geführt hat, heterogener als man denkt. „Es gibt viele offene Rechnungen“, raunte ein Delegierter. Zwischen linken und rechten Vögeln, großen und kleinen Bezirken, Betonköpfen und Reformern.

Die Verkleinerung des Vorstands sollte der Endpunkt des „Projekts 2009“ sein, mit dem Huber und der zweite Mann der Gewerkschaft, Detlef Wetzel, die IG Metall umgebaut haben. In der Frankfurter Vorstandszentrale räumte vor allem Wetzel auf, 100 Stellen fielen weg und dort gesparte Mittel wurden von der Zentrale an die Basis verlagert: Volle Konzentration auf die Mitglieder in den Betrieben und weniger politische Folklore und Klassenkampfrhetorik. Das hat neue Mitglieder gebracht, aber vor allem Wetzel, der entschlossen und manchmal ruppig vorgeht, nicht nur Freunde; Wetzel bekam mit knapp 84 Prozent deutlich weniger Stimmen als Huber.

Die kleine Krise auf dem bislang harmonisch verlaufenden Gewerkschaftstag versuchte Huber ganz klein zu reden. „Man sollte bestimmte Dinge nicht überhöhen“, appellierte der Vorsitzende, und überhaupt „haben wir in den letzten Jahren gute Arbeit gemacht“. Das hatte etwas vom Pfeifen im Walde. Huber sah sich denn auch veranlasst, seinen Leuten zu sagen, wer der wirkliche Gegner ist. Er schwor die Basis auf eine gemeinsame Linie ein, sprach von „gewerkschaftlicher Existenzfrage“ und meinte damit nicht Selbstbeschäftigung und altbackenes Proporzdenken, sondern die Fähigkeit, „in der täglichen Arbeit durchsetzungsstark zu bleiben“ – gegenüber den Arbeitgebern.

Der erste Teil von Hubers Fahrplan in die Zukunft, die Vorstandsverkleinerung, hat also nicht geklappt. Teil II ist indes auch wichtiger: die Verjüngung der Führung. Huber, der bald 62 Jahre alt wird, hat bereits einen außerordentlichen Gewerkschaftstag für 2013 angekündigt. Dann und 2015, beim nächsten ordentlichen Gewerkschaftstag, sollten junge Leute in den Vorstand kommen und auch ihn selbst ersetzen.

Nun beginnt die Verjüngung schon jetzt. Nachdem die Verkleinerung geplatzt war, musste Huber zwei weitere Kandidaten für den Vorstand auftreiben. Oberstes Kriterium: das Alter. Huber wurde fündig. Christiane Benner, bislang in der Gewerkschaftszentrale tätig, und der Augsburger IG-Metall-Chef Jürgen Kerner, sind beide Anfang vierzig. Die Delegierten waren zufrieden und zeigten das bei der Wiederwahl ihres ersten Mannes: Huber bekam 96,3 Prozent der Stimmen und bedankte sich mit einer Ankündigung: „Ich werde der IG Metall auch weiterhin Veränderungen zumuten.“ Alfons Frese

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