Wirtschaft : Eine Rettung ist in Sicht, die BVG nimmt weitere U-Bahnen ab

Gru/chi

Für das von der Schließung bedrohte Pankower Werk des Schienenfahrzeugherstellers Adtranz scheint die Rettung in Sicht: Nach langem Tauziehen hat der Senat am Dienstag einem Geschäft zugestimmt, mit dem die BVG Adtranz 20 weitere U-Bahnzüge abnimmt. Damit ist eine wesentliche Bedingung erfüllt, von der der Konzern den Fortbestand des Werkes abhängig gemacht hatte. Offen ist noch, ob das für Pankow geplante Joint Venture mit dem Schweizer Spezialfahrzeughersteller Stadler zustande kommt. Der Vorsitzende des Betriebsrates, Detlef Muchow, zeigte sich am Dienstag zuversichtlich: "Die Gespräche könnten bis Ende des Monats zu einem positiven Abschluss gelangen", sagte er dem Tagesspiegel.

Für die Investition der BVG zahlt der Senat hohe Zuschüsse. Wirtschaftssenator Wolfgang Branoner verwies aber darauf, dass das Werk in Pankow durch das geplante Joint Venture mit Stadler zukunftsträchtige Aussichten habe. Stadler will hier Spezialfertigungen ansiedeln. Bedingung sei aber die Abnahme der 20 U-Bahnzüge gewesen, die im Werk in Hennigsdorf gefertigt werden sollen. Bei Adtranz bleiben damit laut Branoner in Pankow 220 der 350 Arbeitsplätze erhalten, in Hennigsdorf weitere 150.

Die BVG kann nun die 20 U-Bahnzüge zu je sechs Wagen bestellen, da der Senat die Finanzierung garantiert. Der erste Zug soll Ende 2000 geliefert werden. Die Investition beläuft sich nach Darstellung Branoners auf zirka 300 Millionen Mark. Davon sollen 60 bis 100 Millionen Mark aus Bundesmitteln des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes fließen. Die anderen 200 bis 240 Millionen Mark soll die BVG vorstrecken und dafür Kredite aufnehmen. Der Senat zahlt dieses Geld nämlich nicht als Sofort-Zuschuss, sondern in Form der Zins- und Tilgungsraten. Damit kann der Senat seine Zahlungen aus dem notleidenden Landeshaushalt erheblich strecken; die vertragliche Laufzeit dauert zunächst bis Ende 2007, vermutlich aber 30 Jahre. Man werde rechtzeitig neu verhandeln, meinte Branoner.

Das Geschäft geht auf einen Vertrag von 1992 unter anderen Rechtsbedingungen der BVG zurück; sie war damals noch ein Eigenbetrieb des Landes Berlin. Seinerzeit war sogar von 115 U-Bahnzügen die Rede, von denen 46 fest abgenommen werden sollten. Später stellte sich heraus, dass die BVG für 115 keinen Bedarf hat; 26 wurden bislang ausgeliefert. "Wir wären auch ohne die Sicherung der Arbeitsplätze bei Adtranz in der Pflicht gewesen", sagte der Wirtschaftssenator. Die Abnahme der weiteren 20 Züge sei auf Betreiben der Finanzsenatorin geprüft worden und habe sich als zwingend erwiesen. Die Abnahme von 115 U-Bahnzügen habe sich indessen erledigt, sagte Branoner.

0 Kommentare

Neuester Kommentar