Wirtschaft : Eine schwere Stunde für Berthold Beitz

ERICH REIMANN(AP)

DUISBURG .Beim Abschied von "seinem" Krupp-Konzern überwältigten Berthold Beitz, den großen alten Mann des Essener Traditionsunternehmens, in der Duisburger Mercatorhalle im letzten Moment doch noch die Emotionen.Auf der historischen Hauptversammlung des einstigen Rivalen Thyssen, bei der es um die - von den Krupp-Aktionären bereits gebilligte - Verschmelzung beider Konzerne geht, erlitt der Mitarchitekt der Fusion am Donnerstag einen Schwächeanfall.

Für Beitz war es eine schwere Stunde.Zwar hatte er die Fusion von der ersten Stunde an befürwortet.Doch setzte er damit in gewisser Weise auch einen Schlußpunkt unter die 187jährige Krupp-Geschichte, die er jahrzehntelang wie kein anderer prägte.Denn die von Beitz geleitete Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, Mehrheitsaktionär von Krupp, wird mit knapp 17 Prozent zwar größter Anteilseigner des neuen Unternehmens Thyssen Krupp AG sein, doch das Sagen hat sie nicht mehr.Was die Fusion dennoch für Beitz und die Führungsspitzen beider Unternehmen so attraktiv macht, erläuterte dann in der Hauptversammlung Thyssen-Chef Ekkehard Schulz.Durch die Fusion von Krupp und Thyssen würde Deutschlands fünftgrößtes Industrieunternehmen mit rund 173 000 Mitarbeitern und knapp 70 Mrd.DM Umsatz entstehen.Bereits in drei bis fünf Jahren sollen es Schulz zufolge bis zu 90 Mrd.DM sein.

Der Manager betonte, gemeinsam könnten Thyssen und Krupp schneller, effizienter und nachhaltiger eine weltweite Führungsposition in ihren Kerngeschäftsfeldern erreichen.Die Verschmelzung ermögliche zusätzliche Investitionen.Schulz erwartet durch die Fusion sogar neue Jobs.Doch teilten nicht alle Aktionäre in Duisburg diese Sicht der Vorstände.In Gegenanträgen kritisierten Anteilseigner sowohl das vorgesehene Verschmelzungsmodell als auch eine mögliche Überbewertung des Fusionspartners Krupp.Mit einer Entscheidung der Aktionäre wurde deshalb erst für heute gerechnet, doch galt die Zustimmung als sicher, da es den Fusionsgegnern auch bei der letzten Hauptversammlung nicht gelungen war, einen nennenswerten Widerstand gegen die Fusionspläne zu organisieren.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben