Wirtschaft : Eine sichere Anlage

-

Hans Eichels Experten und die beteiligten Banken haben sich die Sache genau überlegt. An potenziellen Käufern für die in Anleihen gepackten Forderungen Deutschlands gegenüber Russland wird es nicht mangeln. Sonst hätten sie sich die Mühe mit den komplizierten Papieren nicht gemacht. Das Prinzip: Schulden Russlands gegenüber Deutschland werden in Anleihen gepackt und wie andere Wertpapiere gehandelt. Der Finanzminister verkauft die Papiere und bekommt schon mal Geld. Eingelöst werden sie gegenüber den Käufern aber erst später – wenn Russland zahlt.

NICHTS FÜR PRIVATANLEGER

Dass diese Papiere für den normalen Anleger ungeeignet sind, ergibt sich schon aus ihrer Stückelung: 250 000 Euro müssen Investoren mindestens lockermachen, wenn sie ein Papier erwerben wollen. Damit kommen als Käufer nur millionen- und milliardenschwere Versicherungen, Investment- und Pensionsfonds in Europa und Amerika infrage.

HOHE RENDITE

Der Reiz der Papiere liegt in der vergleichsweise hohen Rendite bei allerdings auch größerem Risiko. Russland-Papiere gelten derzeit als besonders lohnendes Investment. „Der Markt wartet auf neue Papiere, solche Anleihen sind knapp“, sagt ein Banker. Die alten Russen-Anleihen, die vor Jahren mit gerademal 40 oder 50 Prozent ihres Nennwertes gehandelt wurden, sind heute begehrt, bei Kursen von zum Teil mehr als 100 Prozent. Und dies bei Zinsen, die deutlich höher liegen als bei Staatsanleihen im Westen. Grund: Die Wirtschaft in Russland kommt voran, der hohe Ölpreis gibt zusätzlichen Schub, und das Land bezahlt Zinsen und Tilgungen seit 2000 pünktlich auf die Minute. Und in Konkurs geht ein Staat ohnehin nicht.

MOSKAU ZAHLT PÜNKTLICH

Allein die Bundesrepublik hat seitdem wie in den Umschuldungsvereinbarungen festgelegt rund 5,4 Milliarden Euro aus Moskau erhalten. Damit gilt Russland mittlerweile als vergleichsweise solider Schuldner. Vor diesem Hintergrund werden auch die in Anleihen verpackten Russland-Schulden gegenüber Deutschland in der nächsten Woche in Europa und Amerika bei Fonds- und Versicherungsmanagern nachhaltiges Interesse finden. Einnahmen von bis zu drei Milliarden Euro für den deutschen Finanzministers sind im Prinzip gesichert. Rolf Obertreis

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben