Eine Typologie der Büro-Scherzkekse : Kennen Sie den schon?

Humor im Büro ist eigentlich eine feine Sache. Aber manche Spaßmacher nerven kolossal - eine Typologie.

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Einer ist im Betrieb immer die Stimmungskanone. Wer aber jede Konferenz als Bühne für Sprüche, Witze und plumpe Bemerkungen betrachtet, braucht sich über gereizte Kollegen nicht zu wundern. Foto. Fotolia Foto: Robert Kneschke - Fotolia
Einer ist im Betrieb immer die Stimmungskanone. Wer aber jede Konferenz als Bühne für Sprüche, Witze und plumpe Bemerkungen...Foto: Robert Kneschke Fotolia

Gemeinsam mit Kollegen zu lachen ist gut fürs Team: Beim Lachen werden Endorphine ausgeschüttet, es entsteht ein Gefühl der Nähe und der Verbundenheit – beste Voraussetzungen für produktives Teamwork. Der alte Spruch „Wo gelacht wird, wird nicht gearbeitet“ ist schon lange durch die Forschung widerlegt. Doch es gibt auch Typen, die mit ihren Witzen oder Sprüchen mehr nerven als aufheitern. Wir stellen fünf von ihnen vor.

DER EWIGE SCHERZKEKS

Kein Meeting vergeht, ohne dass sich der ewige Scherzkeks mit einem Witz oder einem dummen Spruch zu Wort meldet. Seinen Kollegen entlockt er damit nur noch ein müdes Lächeln, denn ihnen gehen die ständigen Witzeleien auf den Keks. Eva Ullmann, Gründerin des Deutschen Instituts für Humor in Leipzig, attestiert dieser Spezies ein fehlendes Gefühl für das richtige Timing. „Wer niemals ernst sein kann, der ruft bei seiner Umwelt schnell nur noch ein genervtes Augenrollen hervor“, sagt die Sozialpädagogin, die Coachings und Schlagfertigkeitstrainings für verschiedene Berufsgruppen anbietet.

Schlagfertige Antworten oder unsinnige Zustimmung nehmen den ewigen Scherzkeks den Wind aus den Segeln – selbst in Situationen, in denen die Sprüche beleidigend sind. „Sie haben recht, ich als Frau werde das wohl nie verstehen. Wie gut, dass ich so einen schlauen Mann wie Sie im Team habe“, könnte eine Kollegin etwa auf eine sexistische Bemerkung hin entgegnen.

DER WITZEERZÄHLER

Während sich Männer über Witze kringeln können, stehen Frauen eher auf Situationskomik, haben Wissenschaftler herausgefunden. Daher ist der Witzeerzähler mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Mann. Er kann sich jede Menge Witze merken und zieht aus dem Lachen seiner Zuhörer Bestätigung. „Ein Witz gelingt im Arbeitsalltag besonders dann, wenn er eine zweite Ebene hat, also zum Beispiel auf einen ungeliebten Vorgesetzten passt“, sagt Tabea Scheel. Die promovierte Psychologin beschäftigt sich an der Humboldt-Universität mit Humor am Arbeitsplatz.

Wenn dem Witzeerzähler allerdings das Gefühl für den richtigen Zeitpunkt fehlt oder seine Witze einfach schlecht sind, dann kann er den Kollegen ganz schön auf den Wecker gehen. „Als Zuhörer hat man die Wahl, entweder mitzumachen oder nicht“, sagt sie. Frauen haben aus Höflichkeit eher die Tendenz, mitzulachen, was den vermeidlichen Komiker in seinem Verhalten bestärkt.

Eva Ullmann kann sich vorstellen, zum Beispiel folgendermaßen zu kontern, um den Witzbold auszubremsen: „Mensch toll, dass du so viele Witze auf Lager hast, aber kannst du mir die lieber in der Mittagspause erzählen?“ oder: „Kennst du auch noch mehr als diese drei Witze? Nutze doch mal das Wochenende, um noch drei neue dazu zu lernen.“

DER UNSENSIBLE

„Im sozialen Umgang ist dieser Typus wahrscheinlich nicht besonders geschickt“, vermutet Tabea Scheel. „Das Gleiche gilt dann auch für seine Witze.“ Sie gehen unter die Gürtellinie, machen sich über die Schwächen von Menschen lustig und wirken im besten Fall deplatziert, im schlimmsten Fall verletzend. Indem die Zuhörer seine Sprüche ignorieren, graben sie ihm zumindest die Aufmerksamkeit ab, nach der sich dieser Typ sehnt.

Sollten die Sprüche allerdings wirklich abwertend oder diskriminierend sein, empfiehlt Tabea Scheel, den Sprücheklopfer bei Gelegenheit zur Seite zu nehmen und ihn in einem Gespräch unter vier Augen auf seine blöden Kommentare anzusprechen. Direkt in der Situation zu reagieren, ist möglicherweise nicht der richtige Zeitpunkt, denn dann fängt sich der Kritiker wahrscheinlich gleich den nächsten Spruch.

DER ZYNIKER

Der Zyniker grenzt sich durch eine grundsätzlich pessimistische Weltsicht von den anderen Typen ab. Sein Humor ist durch beißenden Spott geprägt und richtet sich meistens aggressiv gegen seine Umwelt. „Humor kann viel Nähe schaffen und als soziales Schmiermittel dienen. Er kann aber auch Distanz schaffen. Das macht dieser Typus deutlich“, sagt Tabea Scheel. Wie beim Unsensiblen kann ihn ein Gespräch möglicherweise dazu bringen, seine Verbal-Attacken einzuschränken. Um dabei Erfolg zu haben, sei es wichtig, wertschätzend und aus der Ich-Perspektive zu kommunizieren, rät Tabea Scheel. So gerate das Gegenüber nicht in die Defensive, aus der es sich wieder mit zynischen Bemerkungen herauswinden würde.

DER EWIG SCHLAGFERTIGE

Tabea Scheel nimmt an, dass dieser Mensch eher zu einem aggressiven Humor neigt. Jede Situation kommentiert er mit einem Spruch. Warum? „Ein Grund könnte sein, dass er oder sie tiefere Gespräche verhindern möchte“, tippt sie. „Das Lachen der anderen bedeutet für ihn Bestätigung, ohne die er sich langweilig oder nicht ausreichend wahrgenommen fühlt.“

Immer das letzte Wort zu haben, markiert aber auch den eigenen Status. Diese Person hat das Klima in der Hand, in dem diskutiert wird. Mit ihrer Schlagfertigkeit macht sie aber auch Leute mundtot, die ihre Sprüche fürchten. „Wichtig ist hierbei zu unterscheiden, wer die Sprüche macht“, sagt Tabea Scheel. „Wenn es der Chef ist, wird man sich wahrscheinlich schwerer tun, nicht mitzulachen oder zu kontern als wenn es ein Kollege der gleichen Hierarchieebene ist.“

In einer aktuellen Studie untersucht die Psychologin den Einfluss von Humor in Organisationen auf das Arbeitsklima. Dabei spielen die Vorgesetzten eine wichtige Rolle. Während positiver Humor zu einer offenen Arbeitsatmosphäre führt, bewirkt aggressiver Humor das Gegenteil, nämlich dass zum Beispiel Fehler vertuscht werden – aus Angst vor einem fiesen Spruch des Chefs.

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