Wirtschaft : Eine Übung für den Abstieg

Henrik Mortsiefer

Es war nur ein kurzer Ausflug zum Gipfel. Bei 5915 Punkten kehrte der Dax am vergangenen Montag wieder um. Der folgende Abstieg vom Viereinhalbjahreshoch verlief turbulent: Dienstag, Donnerstag und Freitag sackten die 30 Standardwerte jeweils kräftig ab. Erst bei 5721 Zählern kam der Dax zum Stehen. Ist das der Beginn der lange erwarteten Korrektur, also anhaltender Kursverluste? Wirklich überraschen würde es wohl niemanden an der Börse. So wenig, wie die Zinserhöhung der Europäischen Notenbank in dieser Woche überrascht hat. Doch die heftige Reaktion der Märkte und die Erwartung weiter steigender Zinsen zeigen: Mit Kurswechseln muss ständig gerechnet werden.

Historisch betrachtet, spricht einiges für eine baldige Korrektur. Die Analysten von Helaba Trust erklären dies am Verlauf des Standard & Poor’s-Index (S&P 500), der die 500 größten US-Unternehmen enthält. Innerhalb eines regelmäßigen Vierjahreszyklus dauerten die Aufschwungphasen in der Vergangenheit rund drei Jahre, die Zeitspanne von Zwischentief zu Zwischentief im Durchschnitt rund vier Jahre. Nachdem das letzte Tief 2002 erreicht wurde und die Kurse seitdem steigen, „erscheint eine Korrekturbewegung überfällig“, schreiben die Experten und empfehlen „erhöhte Wachsamkeit“. Nicht ausgeschlossen sei zwar, dass die Kurse zunächst neue Höchststände erreichen. Auf die Angewohnheit der Investoren, auf niedrigem Niveau wieder einzusteigen, sei jedoch kein Verlass mehr.

Optimisten freilich verweisen auf die Besonnenheit der Anleger. So fiel zum Beispiel die Reaktion auf die schockierende Umsatzprognose des Chip-Konzerns Intel am Freitag moderat aus. Und wenn auch die Angst vor Inflation und steigenden Zinsen für Nervosität sorgt – die Rahmenbedingungen für Aktien bleiben günstig. „Seit der Wiedervereinigung hat sich die deutsche Wirtschaft nicht mehr in einem solchen Stimmungshoch befunden wie derzeit“, bemerkt die DZ Bank.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben