Wirtschaft : Eine Warnung: Kopf hoch und gut aufgestellt

Heik Afheldt

Ob es an den drei Börsentagen bis Sylvester noch für eine richtige Rallye reicht? Nobody knows. Das Biowetter kündet heutzutage zwar Migräne, Rheuma und Narbenschmerzen an. Aber es sagt nichts über die kommenden Launen am Parkett und wohin die Herde läuft. Kurse hin oder her, das sind eigentlich unwichtige Fragen. Wichtig ist die frohe Botschaft, die wir tagtäglich hören und lesen: Immer mehr Unternehmen in Deutschland und anderswo sind "gut aufgestellt". So verkünden es stolz und überzeugt die Lenker großer und kleinerer Unternehmen in ihren Interviews, in ihren Geschäftsberichten, in ihren Reden auf den Hauptversammlungen. Ob Jürgen Schrempp, Jürgen Dormann, Ron Sommer oder Rolf Breuer. Sie alle sind jetzt für die Zukunft gut aufgestellt. Klingt das nicht richtig gut und aufgeweckt? Wer gut aufgestellt ist, der hat den Kopf oben und den Überblick, die Beine unten und die Füße fest auf dem Boden. Gut aufgestellt ist man in der Pole Position bei der Formel 1 und in den ersten Reihen beim Engadiner Ski-Marathon. Die Chancen auf den Sieg sind für die Aufgestellten intakt. Da sollen die Wettbewerber ruhig kommen.

Derartige Modewörter in der Managersprache sind nicht neu. Vor einigen Jahren war es zukunftstauglich, "strategische Allianzen" zu schmieden. Aber entweder waren die Eisen zum Schmieden nicht heiß genug, oder sie waren von Anfang an brüchig. Statt Diversifikation gelten nun Kernkompetenzen. Schon Frederick W. Taylor hatte erkannt, dass es weniger darauf ankommt, welches Organisationsmodell für ein Unternehmen man wählt. Produktiv ist es schon, von Zeit zu Zeit etwas zu verändern. Nur dann sind ein Unternehmen und eine Volkswirtschaft gut aufgestellt und auf dem Weg zu dem wundersamen selbsttragenden Aufschwung und einem neuen Kursfeuerwerk an den Börsen. Ob die deutsche Wirtschaft nun gut aufgestellt ist für das Neue Jahr, ob alle negativen oder positiven Zeichen schon "eingepreist" sind in den Kursen, keiner weiß das. Wahrscheinlicher ist eher, dass wir noch mehr Gewinnwarnungen in den nächsten Tagen hören werden. Dies hier ist eher eine Verlustwarnung, eine Warnung vor dem Verlust einer klaren Sprache.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben