Wirtschaft : Eine Wende bei der Privatisierung

MAGDEBURG (löb).Vor ein paar Wochen schien alles in trockenen Tüchern.Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Klaus Schucht hatte die Federführung für die Verhandlungen über die Zweitprivatisierung der Landtechnik Schönebeck GmbH (LTS) an sich gezogen, die bei der BvS wochenlang keinen Schritt vorangekommen waren.Und, so hatte Schucht klargemacht, unter seiner Federführung werde nur mit der Claas-Gruppe verhandelt.Das von der Doppstadt Umwelttechnik angemeldete Interesse tangiere ihn wenig, so der Minister, dies richte sich ja ohnehin nur auf die LTS Tochter GS Fahrzeug- und Systemtechnik, an der wiederum Claas kein Interesse habe.Jetzt aber will Doppstadt der BvS ein Angebot unterbreiten, das nicht nur die Übernahme der LTS als Ganzes, sondern auch noch bessere Konditionen enthalten soll, als Claas sie bietet.

Mit rund 600 Mitarbeitern und 200 Mill.DM Umsatz nimmt sich die Doppstadt-Gruppe aus dem sauerländischen Velbert im Vergleich zur Claasgruppe mit 5600 Mitarbeitern und einem Zwei-Mrd.-Umsatz eher als industrieller Zwerg aus.Der aber will dem konkurrierenden Riesen Paroli bieten."Wir machen erst unsere Hausaufgaben, bevor wir an die Öffentlichkeit treten", begründet Doppstadt-Geschäftsführer Alfred Kammesheidt die späte Vorlage seines Angebotes."Jetzt aber steht unser Konzept und ist zukunftsfähiger als das von Claas."

Die Claas-Gruppe ist nur an der LTS-Technologie interessiert, will weder die Tochter GS noch die Betriebseinrichtungen und -immobilien übernehmen.In einem 300 Mill.DM teuren Fabrikneubau in örtlicher Nähe soll die LTS-Technologie vielmehr weiterentwickelt werden.90 der 300 Mitarbeiter will Claas sofort übernehmen, mit Aufnahme der Produktion Anfang 2000 soll die Belegschaft stufenweise auf 400 steigen.Wegen des geplanten Neubaus und der Übernahme nur von Technologie und Know how möchte die BvS nicht von Zweitprivatisierung, sondern vor strukturpolitischer Neuansiedlung sprechen und sich aus der Finanzierung am liebsten ganz heraushalten.Jetzt aber steht nicht nur die Knauserigkeit der Treuhand-Nachfolgerin im Verhandlungsraum, sondern auch Doppstadt als zusätzlicher Investor.Der will die LTS jetzt komplett übernehmen, 150 Mitarbeiter sofort weiterbeschäftigen und die Belegschaft innerhalb von fünf Jahren am LTS-Standort auf 500 aufstocken.

Im Magdeburger Wirtschaftsressort reagiert man gelassen auf die Pläne."Wir kennen das Doppstadt-Konzept noch nicht im Detail", sagt Ressortsprecherin Frauke Flenker."Die Verhandlungen mit Claas sind aber schon weit vorangeschritten." Das Konzept sei bereits in Bonn vorgestellt worden, derzeit arbeite die Gruppe an den Anträgen für das Notifizierungsverfahren in Brüssel.

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