Wirtschaft : Eine wunderbare Freundschaft

-

Von Ursula Weidenfeld

Am Freitag haben Martin Kannegiesser, Chef der Metallarbeitgeber, und Jürgen Peters, Chef der IG Metall, beschlossen, bei der nächsten Tarifrunde auch über Öffnungsklauseln zu reden. Ganz unspektakulär und ohne Getöse haben sie vereinbart, dass die Möglichkeiten für Not leidende Firmen vom Tarifvertrag abweichen zu können, erweitert werden sollen. So, als sei es das Selbstverständlichste der Welt, dass der Scharfmacher unter den Gewerkschaftern auf der einen Seite und der große Sieger des Metallarbeitskampfes auf der anderen sich über einen der gewichtigsten Streitpunkte der Tarifpolitik verständigen.

Einen größeren Gefallen hätten sie dem Bundeskanzler und der SPD nicht tun können. Denn die CDU hat eine gesetzliche Öffnungsklausel verlangt, weil sie den Tarifpartnern keine Einigung darüber zugetraut hat. Nun ist die Öffnungsklausel erst einmal vom Tisch des Vermittlungsausschusses. Das ist ärgerlich für die Verhandlungsstrategen der Union, und peinlich dazu. Peinlich ist die Sache auch für die Spitzenverbände beider Seiten, den Deutschen Gewerkschaftsbund und die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. Die haben versucht, den Konflikt politisch zu instrumentalisieren.

Metallarbeitgeberchef Martin Kannegiesser hat ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Er hat wieder einmal gezeigt, dass er sich nicht benutzen lässt, auch von seinen eigenen Spitzenverbänden nicht. Kannegiesser will beweisen, dass sich die Bewahrung der Tarifautonomie lohnt. Er hält das Kartell, das in Deutschland Löhne, Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen weitgehend festschreibt, für den effizientesten Weg der Lohnverhandlungen. Doch Kannegiesser hat noch etwas anderes bewiesen: Er kann Jürgen Peters, den verbalradikalen neuen Chef der IG Metall, bändigen. Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft: Sie könnte sich in den nächsten Monaten unabhängig von der gestrigen Last-Minute-Aktion auszahlen. Am Montag nämlich beginnen die Metalltarifverhandlungen. Und davon hängt ab, wie viel vom Aufschwung im nächsten Jahr in Deutschland übrig bleibt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben