Wirtschaft : „Eine Wurst, ein Wostok – wie immer“

Foto: promo
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Herr van Velzen, Wostok-Limo gibt es nun seit einem Jahr. Verdienen Sie Geld damit?

Im Moment verdiene ich nichts mit meiner Limonade. Ich werde erst Gewinn machen, wenn die Mengen steigen.

In der Kneipe kostet Wostok zwischen 1,80 und 2,50 Euro. Da bleibt wirklich nichts für Sie übrig?

Der Wirt hat am meisten Spaß mit dem Getränk. Er kauft die Flasche für 50 bis 60 Cent beim Großhändler. Der Großhändler behält zwischen fünf und 15 Cent. Mir bleiben 45 Cent, davon muss ich Transport, Lagerung und Herstellung bezahlen. Der Gewinn steigt mit den Mengen, weil der Transport das teuerste ist. Derzeit frisst er meinen ganzen Gewinn. Im Idealfall würden für mich zehn bis 15 Cent pro Flasche übrig bleiben.

Was steckt in Ihrem Getränk?

Taigawurzel, die nach Lakritz schmeckt, Fichtennadelöl, Kardamom, Eukalyptus, Schwarztee-Extrakt, Zucker, Zitronensäure, Kohlensäure, Wasser.

Wo füllen sie Ihre Flaschen ab? Auf dem Etikett steht ja Berlin-Kreuzberg …

In einer kleinen Apfelweinkelterei in Hessen. In Kreuzberg wohne ich und habe meine Firma. Ich denke, das Getränk passt gut zur Stadt und Kreuzberg vermittelt eine gewisse Alternativität.

Warum füllen Sie nicht in Berlin ab, wo sie 50 Prozent des Getränks absetzen?

Ich habe Brauereien in Berlin und Brandenburg gesucht, aber keine gefunden, die Kapazitäten frei hatte. Viele DDR-Betriebe sind ja pleitegegangen oder von den großen Brauereien aufgekauft worden. Hessen liegt zentral, und mittlerweile gibt es Wostok ja auch in München, Hamburg, Köln und der Schweiz.

Hoffen Sie auf das große Geld?

Ich hoffe, dass ich Ende des Sommers Gewinn mache, um die 200 000 Euro, die ich reingesteckt hab, wieder einzunehmen.

Wollen sie ihr Getränk zu einem Massenprodukt wie Bionade machen?

Wostok ist dazu verurteilt, ein Nischenprodukt zu bleiben, weil es von Design und Geschmack zu schräg ist, um Mainstream zu werden. Außerdem möchte ich so lange wie möglich als netter, kleiner Hersteller wahrgenommen werden. Viele Leute sind sehr politisch in der Art zu konsumieren und unterstützen lieber Underdogs als riesige Konzerne. Wenn ich irgendwann eine Million Flaschen verkaufen kann, bin ich zufrieden.

Warum glauben Sie, dass Sie langfristig Erfolg haben?

Ich bin schon den zweiten Sommer am Markt und die Leute trinken Wostok immer noch. Der Erfolg liegt darin, dass es diesen Geschmack noch nie gab. Die Kneipiers sagen, dass es viele Stammtrinker gibt, nach dem Motto: Eine Wurst, und ein Wostok – wie immer.

Joris van Velzen (41) ist gebürtiger Niederländer und arbeitet hauptberuflich als Werbefotograf in Berlin. 2009 entwarf er das Erfrischungsgetränk Wostok. Mit ihm sprach Jahel Mielke

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