Wirtschaft : Einen Pay-TV-Krieg soll es nicht geben

HAMBURG/KÖLN (rtr).Der Medienkonzern Bertelsmann hält sich nach den Worten von Firmensprecher Manfred Harnischfeger nach wie vor alle Optionen im Pay-TV-Geschäft offen.Im Westdeutschen Rundfunk dementierte der Sprecher eine Meldung des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel", wonach Bertelsmann die Aktivitäten im Bezahl-Fernsehen abschmelzen wolle."Der Spiegel-Bericht ist irgendwo zwischen Spekulation und Unsinn angesiedelt," sagte Harnischfeger.

Er verwies dagegen auf die Position des neuen Bertelsmann-Chefs Thomas Middelhoff, wonach alle Geschäftsbereiche, einschließlich Pay-TV, ausgebaut werden sollen.Bertelsmann wolle sich nicht vom Medienunternehmer Leo Kirch distanzieren, betonte Harnischfeger.Unternehmensstrategie sei es, vernünftige Mediengeschäfte zu machen, und dazu könne es gehören, "daß wir auf dem Sektor digitales Pay-TV ein Zweckbündnis mit der Kirch-Gruppe eingehen oder weiterführen".

"Der Spiegel" hatte unter Berufung auf das Manuskript einer Rede Middelhoffs vorab berichtet, Middelhoff wolle den Krieg im Pay-TV-Geschäft so schnell wie möglich beenden und bis Ende November eine Lösung erreichen.Am Montag habe er die Lage mit seinen Fernsehmanagern besprochen.Dabei sei entschieden worden, die Aktivitäten beim riskanten Pay-TV abzuschmelzen.Die Hälfte der Premiere-Anteile in Höhe von 50 Prozent solle entweder verkauft oder bei einer Bank geparkt werden, möglicherweise für einen späteren Börsengang.Kirchs Manager Dieter Hahn zeigte sich davon unbeeindruckt."Noch können wir die jetzige Situation eine ganze Weile aufrechterhalten", sagte er dem "Spiegel".Er fügte aber hinzu: "Wir können nicht zusehen, wie Premiere vor die Hunde geht."

Anfang Oktober hatte das Bundeskartellamt in Berlin Kirch und Bertelsmann untersagt, ihre Premiere-Anteile auf je 50 Prozent aufzustocken.Zuvor hatte die EU-Kommission bereits die Fusion von Premiere, das einen Digital-Bereich hat, mit Kirchs Digital-Sender DF 1 untersagt.Bertelsmann hielt vor der geplanten Aufstockung 37,5 Prozent und Kirch 25 Prozent an Premiere.

Beide Partner kommen laut Kartellamt auf dem werbefinanzierten "freien" TV-Markt auf einen Anteil von 90 Prozent.Zur Kirch-Gruppe gehören SAT 1, DSF, Pro Sieben und Kabel Eins und zur Bertelsmann-Tochter CTL-Ufa die Sender RTL, RTL 2, Super RTL und Vox.Kirch will nun DF 1 mit dem Angebot eines Erotikkanals ausbauen und strebt für 1999 rund 500 000 Abonnenten an.Das ist noch ein Sprung: Anfang Oktober lag die Zahl der Abonnenten aber erst bei 200 000.

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