Wirtschaft : Einfach kompliziert

Die Deutsche Bahn stellt ihr Tarifsystem noch einmal um – jetzt können mehr Fahrgäste sparen, aber der Durchblick bleibt schwierig

Bernd Hops

DIE NEUEN BAHNTARIFE – FÜR WEN SICH WELCHER RABATT AM MEISTEN LOHNT

Die Verbraucher haben es geschafft. Scharenweise blieben sie der Bahn seit vergangenem Dezember fern. Das neue Preissystem im Fernverkehr empfanden viele als zu kompliziert und die neu eingeführten Frühbucherrabatte als zu unsicher. Diese Abstimmung mit den Füßen brauchte zwar ein halbes Jahr, um zu wirken, aber dann gab Bahnchef Hartmut Mehdorn zu: „Wir haben verstanden.“

Zum 1. August wird deshalb die Bahnpreisreform teilweise rückgängig gemacht, die Tarifbestimmungen werden einfacher und vor allem: Die Bahncard 50, mit dem die Fahrgäste den Normalpreis um die Hälfte drücken können, kehrt wieder zurück. Dafür hatte sich in Umfragen immer wieder die überwältigende Mehrheit ausgesprochen. Von der großen Tarifreform erhalten bleiben die Frühbucherrabatte. Die heißen jetzt anstatt Plan & Spar einfach Sparpreise und sind an weniger strenge Bedingungen gebunden. Außerdem bietet die Bahn die Bahncard 25 weiter an. Und auch der Mitfahrerrabatt von 50 Prozent für bis zu vier Personen bleibt (zu den Konditionen der Bahncards und Sparpreise siehe Kästen).

Verbraucher- und Umweltverbände sehen die Änderungen positiv. „Die Bahn hat tatsächlich verstanden und orientiert sich am Verhalten und den Wünschen der Kunden“, sagt Heidi Tischmann vom Verkehrsclub Deutschland (VCD). Ganz besonders gefällt ihr die Wiedereinführung der Bahncard 50. Deren Abschaffung hatte vor allem alte Stammkunden der Bahn verprellt. Die Stiftung Warentest lobt: „Flexibles Bahnfahren zum halben Preis wird wieder möglich.“

Uneingeschränkt fällt das Lob der Warentester jedoch nicht aus. Das System bleibt in ihren Augen trotz aller Vereinfachungen weiter kompliziert. Das findet auch der VCD. Kunden müssen also genau hinschauen, was sich für sie tatsächlich lohnt. So ist der Preis für die Bahncard 50 zur Neueinführung deutlich angehoben worden. Für die Preissteigerung zeigt der VCD Verständnis, „auch wenn es natürlich schöner wäre, wenn es sie billiger gäbe“. Aber für spontane Vielfahrer lohne sie sich durchaus. Gibt ein Fahrgast im Jahr mehr als 600 Euro für Fahrkarten – auf der Grundlage der Normalpreise aus – rechnet sich die Investition nach Berechnungen des VCD. Das entspricht zum Beispiel acht Hin- und Rückfahrten von Berlin nach Hamburg im Eurocity. Fährt jemand nicht so oft, ist laut VCD die Bahncard 25 empfehlenswert. Die rechnet sich schon bei 200 Euro für Fahrkarten im Jahr. Das entspricht zweimal Berlin-Köln, hin und zurück im ICE.

Die neuen Bahncards und die Tickets zu den neuen Tarifen gibt es erst ab 1. August. Vorher müssen Fahrkarten für die Zeit auch nach dem 1. August noch zu den bisherigen Konditionen – zum Beispiel nach den alten Plan-&-Spar-Tarifen – gebucht werden.

Zuende ist die Reform der Reform mit den aktuellen Änderungen nicht. Die Bahn hat angekündigt, das Preissystem weiter zu vereinfachen. Noch variieren die Preise für eine Reise von A nach B, je nach Zugart und Streckenführung. Das will die Bahn in Zukunft stärker vereinheitlichen. Und es wird auch bald auf bestimmten Strecken Sonderpreise geben – ähnlich wie schon in den Nachtzügen. Da können Kunden ab 29 Euro von Deutschland zum Beispiel nach Italien oder Österreich fahren. Außerdem setzt die Bahn wieder auf mehr Service und setzt in dem Bereich 500 zusätzliche Mitarbeiter ein.

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