Einheitswährung : Den Euro nicht zum Sündenbock machen

Die EU-Kommission hat den Euro zum fünften Jahrestag der Bargeldeinführung verteidigt. Währungskommissar Joaquín Almunia forderte, der Euro dürfe nicht als "Sündenbock für andere Probleme" herhalten.

Brüssel/Frankfurt - Die Gemeinschaftswährung sei stabil und stark und verbillige Einfuhren, darunter Öl. "Niedrige Inflation und Zinsen sind eine Wohltat für die große Mehrheit von Arbeitnehmern", sagte Almunia.

Während der Euro neuesten Umfragen zufolge bei den Verbrauchern in Europa weiter ungeliebt ist, hat sich die europäische Gemeinschaftswährung an den internationalen Finanzmärkten als harte Währung etabliert. Fünf Jahre nach Einführung der Euro-Banknoten hat die europäische Währung den US-Dollar als wichtigste Bargeldwährung der Welt verdrängt. Dennoch bleibt er nach Ansicht von Fachleuten der Dollar weiter die internationale Leitwährung.

Almunia sagte, der unrichtige Eindruck, dass Preise generell wegen des Euro stiegen, sei auf Missbräuche in einigen Wirtschaftssektoren und Ländern bei der Umstellung zurückzuführen. Preissenkungen seien kaum wahrgenommen worden, beklagte der spanische Kommissar. Auch der Wirtschaftsweise Peter Bofinger bestritt, dass der am 1. Januar 2002 als Bargeld eingeführte Euro ein "Teuro" sei, wie vielfach behauptet werde. In den vergangenen fünf Jahren habe die durchschnittliche jährliche Inflationsrate in Deutschland nur 1,6 Prozent betragen. Sie sei damit deutlich geringer als in den Zeiten der D-Mark, sagte er.

Laut aktuellen Umfragen trauern immer noch 60 Prozent der Deutschen der D-Mark hinterher. In Frankreich ergab eine aktuelle Meinungsuntersuchung, dass 52 Prozent der Befragten den Euro für eine "schlechte Sache" für Frankreich, das Wachstum, die Arbeit und sich selbst halten.

Stabile Basis für den Export

Der wichtigste Vorteil des Euro, der ab 1. Januar 2007 durch den Beitritt Sloweniens zur Eurozone in 13 Ländern zirkuliert, "besteht darin, dass er der deutschen Exportwirtschaft eine stabile Basis für ihre Geschäfte innerhalb Europas bietet", erklärte das Mitglied des Sachverständigenrats der Bundesregierung. "Anders als noch in den 90er Jahren besteht heute keinerlei Gefahr mehr, dass die gute Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen durch eine plötzliche Aufwertung der Landeswährung gegenüber wichtigen europäischen Handelspartnern in Gefahr gerät", bilanzierte der Würzburger Wirtschaftswissenschaftler. Dies sollten "Euro-Nörgler" bedenken.

Ein Sprecher der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt bestätigte einen Bericht, dass der Euro zum ersten Mal den Dollar "wertmäßig überholt" hat. Stückmäßig liege aber weiterhin der Dollar vorn, der mit Ein-Dollar-Scheinen über kleinere Noten als der Euro verfügt. Mitte Dezember waren nach EZB-Angaben Euro-Scheine im Wert von 614 Milliarden Euro weltweit im Umlauf. Dem standen zeitgleich Dollar-Scheine im Wert von umgerechnet 588 Milliarden Euro (776 Mrd Dollar) gegenüber, wie aus der Internet-Seite der US-Notenbank Federal Reserve hervorgeht.

Bargeld ist in Europa populär

Experten sehen in den Zahlen aber eine Verzerrung zu Gunsten des Euro. "In Europa ist Bargeld sehr populär, während man in den USA schon den Zeitungskauf mit Kreditkarte bezahlt und gar keine Scheine mehr in der Geldbörse hat", sagt Volkswirt Christoph Balz von der Commerzbank. Deshalb sei in den USA viel weniger Bargeld im Umlauf.

Obwohl der Euro im Bargeldverkehr aufholt, bleibt der Dollar nach Expertenansicht unangefochten die Weltleitwährung. Bei der Wirtschaftskraft liegen die USA weiter vor Europa, und der US-Finanzmarkt ist sehr viel größer als der im Euro-Raum. Auch als Anlagewährung steht der Dollar immer noch mit großem Abstand an erster Stelle. Nach Zahlen der EZB hielten die Zentralbanken der Welt 2005 rund 66 Prozent ihrer Reserven in Dollar und nur 24,3 Prozent in Euro. Dennoch legt der Euro zu, denn Ende 1999 betrug sein Anteil an den weltweiten Reserven erst 18 Prozent. (tso/dpa)

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