Einkaufen im Internet : Virtueller Wühltisch

Shoppingclubs im Internet bieten Luxus-Schnäppchen exklusiv für Mitglieder – und machen damit Millionen. Die Markenware ist meist nur ein paar Tage oder Stunden verfügbar.

Saskia Weneit
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Begrenztes Angebot. Bei den Clubs kann man Markenware zu Discountpreisen ergattern. Foto: Wolff, pa/gms

Berlin - Eine Uhr von Tommy Hilfiger für 70 Euro, eine Tasche von Calvin Klein für 60 Euro, Stiefel von Timberland für 90 Euro – Shoppingclubs machen es möglich. Ihre Idee ist, überschüssige Waren und Vorjahreskollektionen von Markenherstellern im Internet mit Rabatten von bis zu 70 Prozent anzubieten. Und das immer nur für ein paar Tage oder Stunden. Allerdings können in Shoppingclubs nur Mitglieder einkaufen – die vorher eine Einladung von bereits registrierten Kunden erhalten haben. Mit dieser Strategie wollen sich die Clubs interessanter machen.

„Das weckt natürlich große Begehrlichkeiten“, sagt Thomas Lehning, Professor an der Hochschule der Medien in Stuttgart und Experte für Werbung und Marktkommunikation. „Das ist ein klassisches Modell aus der Fashionwelt.“ Wie in Luxusläden sei diese Exklusivität gerade für Frauen ein Anreiz. „Männer machen da eher weniger mit“, hat Lehning beobachtet.

Antoine Jacques Granjon, Geschäftsführer des europäischen Marktführers und Vorreiters Vente Privee, einem Shoppingclub aus Frankreich, erklärt die Exklusivität anders: „Wir schützen damit die Hersteller vor dem Verdacht, Ramschprodukte anzubieten“, sagt er. 2001 begann Vente Privee, die Waren im Internet anzubieten. Im ersten Halbjahr dieses Jahres konnte das Unternehmen einen Umsatzzuwachs von 140 Prozent mit 20,6 Millionen Euro in Deutschland verbuchen. Der europaweite Jahresumsatz liegt bei 680 Millionen Euro – im Vorjahr waren es 510 Millionen Euro. Allerdings sind bei Vente Privee neun Millionen Mitglieder registriert – von Exklusivität kann da keine Rede mehr sein. Und nicht nur Freunde können einen einladen, auch auf Blogs wie shopping-clubs.de bekommt jeder ohne Weiteres eine Offerte. Bei einem Test der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen kam heraus, dass es meist keiner exklusiven Einladung bedarf. „Die Clubs werben mit Millionen Mitgliedern, verschenken Provisionen für verschickte Einladungen“, sagt Georg Tryba vom Verbraucherschutz NRW. Nur für den Club Bestsecret bedarf es tatsächlich einer Einladung, die nur Mitarbeiter bestimmter Modefirmen bekommen – die Stillschweigen bewahren müssen.

Das Geschäft jedenfalls hat Potenzial. Die Deutschen könnten in diesem Jahr bei ihren Einkäufen im Internet so viel Geld ausgeben wie nie zuvor. 2009 werde der Online-Handel 21,8 Milliarden Euro umsetzen, schätzt der Bundesverband des Deutschen Versandhandels (BDV). Dies wäre ein Plus von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

„Auch wir machen den Großteil unseres Jahresumsatzes im letzten Quartal des Jahres“, sagt Claudia Gellrich vom Shoppingclub Brands for Friends, für den wegen der branchenüblichen langen Lieferzeiten das Weihnachtsgeschäft schon begonnen hat. Der Berliner Club avancierte in nur zwei Jahren zum deutschen Marktführer, konnte seinen Umsatz mit 85 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdreifachen.

Die Konkurrenz in der Branche ist groß. Die Seite shopping-clubs.de listet 13 Anbieter auf, die die Verbraucherschützer aus NRW unter die Lupe genommen haben. Laut Georg Tryba waren die angebotenen Waren tatsächlich nirgends günstiger zu bekommen. Gerade Accessoires und Kleidung könnten unschlagbar günstig bei den Shoppingclubs zu haben sein – natürlich immer nur in begrenzter Stückzahl und in bestimmten Zeiträumen. Er rät trotzdem, parallel Preissuchmaschinen im Netz zu nutzen.

Allerdings verstehen sich nicht alle Clubs in erster Linie als Dienstleister für Endkunden, sondern für die Industrie, wie Granjon von Vente Privee zugibt.

„Online gibt es mehr Möglichkeiten, diese Waren attraktiv darzustellen“, sagt auch Marktexperte Lehning. Ein Label wie Armani könne es sich für das Image gar nicht leisten, einen Grabbeltisch aufzustellen. Online hingegen stelle sich diese Frage nicht. Deshalb haben die Clubs eigene Fotostudios, Stylisten und Models, die die Produkte im Sinne der Hersteller ins rechte Licht rücken. „Ein Traumgeschäftsmodell“, nennt es Lehning, „mit fantastischen Margen.“ Es gibt kaum Lagerkosten, keine Ladenmiete und erst recht keine lästige Laufkundschaft, die alles anprobiert, aber nichts kauft.

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