Wirtschaft : Einkommen der Bauern deutlich gestiegen

Über 24 Mrd.DM Subventionen / Ostdeutsche Höfe merklich rentabler Bonn (wei).Die Einkommen der deutschen Landwirte sind im Wirtschaftsjahr 1995/96 trotz der BSE-Krise deutlich gestiegen.Haupterwerbsbetriebe erzielten einen durchschnittlichen Gewinn von knapp 54.000 DM, ein Plus gegenüber dem Vorjahr von 6,6 Prozent.Das geht aus dem jüngsten Agrarbericht hervor, den die Bundesregierung am Dienstag in Bonn verabschiedet hat.Allerdings wäre der Gewinnanstieg ohne den Preisverfall auf dem Rindfleischmarkt um 4 Prozent höher ausgefallen, sagte Bundeslandwirtschaftsminister Jochen Borchert nach der Kabinettssitzung.In diesem Jahr rechnet Borchert nicht mit einer weiteren Einkommensverbesserung.Bei Fleisch und Milch erwartet er niedrigere Erlöse. Ursache der positiven Entwicklung im abgelaufenen Wirtschaftsjahr waren eine höhere Flächenausstattung der Betriebe sowie bessere Erlöse für Schweine und Getreide.Allerdings verlief die Entwicklung nach Betriebsformen und Regionen sehr unterschiedlich.In den sogenannten Veredelungsbetrieben für Schweine und Geflügel stiegen die Gewinne um 39 Prozent.Dementsprechend verlief die Einkommensentwicklung in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern mit durchschnittlichen Zuwächsen deutlich über 10 Prozent am günstigsten.Die ostdeutsche Landwirtschaft arbeitet inzwischen deutlich rentabler als die Höfe im Westen.In Sachsen-Anhalt wurde 1995/96 ein Gewinn von 98.000 pro Betrieb erzielt, in Sachsen waren es 68.100 DM.Im Westen war der Gewinn pro Betrieb mit 66.500 DM in Schleswig-Holstein am höchsten.Die ostdeutschen Haupterwerbsbetriebe bewirtschaften durchschnittlich 123 Hektar, im Westen sind es 39 Hektar. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe ist weiter rückläufig.1996 gab es in Deutschland 540.000, das waren 2,7 Prozent weniger als im Vorjahr.Davon wurden mehr als 60 Prozent im Nebenerwerb geführt.In den neuen Ländern hielt der Trend zur Gründung neuer Einzelunternehmen an.Die Zahl der Agrarbetriebe stieg um 2 Prozent auf 30.800.Rückläufig ist auch die Beschäftigung in der Landwirtschaft.Insgesamt arbeiteten dort 1,35 Mill.Menschen, 3,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Zahl der Betriebe und der Beschäftigten wird nach Ansicht des Landwirtschaftsministers auch in den nächsten Jahren zurückgehen.Ziel der Regierung sei es, eine in der EU wettbewerbsfähige deutsche Landwirtschaft zu erhalten.Sie müsse kostengünstig, nachhaltig und ressourcenschonend wirtschaften.Die Tierhaltung müsse verantwortungsvoll erfolgen, sagte Borchert.Ein weiteres Ziel der Agrarpolitik sei ein breit gestreutes Eigentum an Grund und Boden.Darauf werde die Regierung auch bei der Veräußerung der bundeseigenen Flächen in Ostdeutschland achten.Eine flächendeckende Landbewirtschaftung ist nach den Worten Borcherts gegenwärtig nicht gefährdet.An ungünstigen Standorten werde es eine Existenzsicherung für die Betriebe alleine über den Markt aber nicht geben.1996 haben Bund und Länder 14,9 Mrd.DM, die EU weitere 13,3 Mrd.DM für die Landwirtschaft bereitgestellt.

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