Wirtschaft : Einkommensverteilung: "Ungleichheit ist nicht unbedingt ungerecht"

18.11.1998 00:00 Uhr

Im Gutachten stehen erstmals ausführliche Daten zur Einkommensverteilung.Sie stammen von einer Gruppe um Professor Gert Wagner vom DIW.Mit ihm sprach Jobst-Hinrich Wiskow.

TAGESSPIEGEL: Wie ungleich sind die Einkommen in Deutschland verteilt?

WAGNER: Deutlich gleicher als in den USA und Großbritannien, aber ungleicher als in Dänemark und den Niederlanden.

TAGESSPIEGEL: Ist Ungleichheit ungerecht?

WAGNER: Das kann man so pauschal nicht sagen.Sie wäre es bestimmt, wenn die Ungleichheit für immer bestehen bliebe.Aber das trifft in Deutschland nicht zu.Hierzulande ist die Mobilität zwischen den Einkommensgruppen ebenso ausgeprägt wie in den USA.

Die Chance, aus der Armut herauszukommen, ist in Deutschland größer als in Amerika.

TAGESSPIEGEL: Was macht Menschen arm?

WAGNER: Zum einen familiäre Ereignisse.Wer sich scheiden läßt oder verwitwet, wird häufig arm.Außerdem ist die Arbeitslosigkeit eine wichtige Ursache - vor allem die Langzeitarbeitslosigkeit.

TAGESSPIEGEL: Müßte die Ungleichheit zunehmen, um den Menschen größere Anreize zu geben, aus der Arbeitslosigkeit herauszukommen?

WAGNER: Im Grundsatz nein.Das hohe Maß an Einkommensmobilität in Deutschland zeigt, daß die Anreize schon vorhanden sind.So gibt es zum Beispiel relativ viele Arbeitsplatzwechsel.Ich bin sicher: Das Problem besteht weniger in der Verteilung der Einkommen als im Mangel an rentablen Jobs.

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