Wirtschaft : Einladung zum Stellenabbau

Dresdner Bank startet das Programm „Invitatio“, um 4700 Mitarbeiter abzubauen/Großbanken streichen 43000 Jobs

Rolf Obertreis

Frankfurt (Main ). Seit Donnerstag liegt die „Einladung“ per E-Mail vor. Es ist eine Einladung der besonderen Art – für weltweit rund 43600 Mitarbeiter, vor allem aber für die 30000 Beschäftigten der Dresdner Bank in Deutschland. Sie dürfen zunächst selbst darüber entscheiden, ob sie ihren Job aufgeben. „Invitatio“ hat der Vorstand der Bank das Programm überschrieben, mit dem bis Ende 2005 rund 4700 Stellen abgebaut werden.

Überrascht hat die Beschäftigten die E-Mail nicht, schließlich hatte Vorstandschef Herbert Walter den neuen personellen Kahlschlag bereits im August 2003 verkündet. Doch jetzt geht es um die Umsetzung. Die Allianz-Tochter ist damit die letzte der vier deutschen Großbanken, die in großem Stil Arbeitsplätze streicht. Deutsche Bank, Commerzbank und Hypo-Vereinsbank haben drastische Einschnitte schon hinter sich.

Seit 2001 haben die vier großen Geschäftsbanken rund 43000 Arbeitsplätze gestrichen. Damit ist faktisch eine komplette Großbank von der Bildfläche verschwunden. Die kleinste der Großen, die Commerzbank, beschäftigt heute noch 32600 Mitarbeiter, gut 7000 Jobs sind weggefallen. Bei der Dresdner Bank und bei der Hypo-Vereinsbank mussten jeweils 11000 Beschäftigte gehen, heute arbeiten dort noch 43600 und 61900 Mitarbeiter. Allein die Deutsche Bank hat unter der Regie ihrer Vorstandssprecher Rolf Breuer und Josef Ackermann weltweit 14500 Jobs gekappt. Heute zählt die größte Bank Europas noch 75500 Mitarbeiter.

Abfindungen statt Entlassungen

Immerhin: Reine Entlassungen hat es auch nach Angaben der Gewerkschaften kaum gegeben. In der Regel haben die Banken die personellen Einschnitte über Abfindungen umsetzen können. Allein die Deutsche Bank hat dafür in den letzten Jahren rund 1,7 Milliarden Euro bezahlt. Auch bei der Dresdner Bank – sie wird Ende 2005 mit insgesamt 15700 gestrichenen Jobs die Liste der Stellenstreicher anführen – soll „Invitatio“ möglichst ohne Kündigungen ablaufen.

Im firmeninternen Internet können die Mitarbeiter anhand einer Formel, die von Vorstand und Betriebsrat in einer Rahmenvereinbarung festgelegt wurde, ausrechnen, was ihnen der freiwillige Abschied bringen würde. Unter dem Strich kämen dabei je nach Betriebszugehörigkeit und Monatsgehalt Abfindungen von 5000 bis maximal 200000 Euro heraus. Allerdings eröffnet die Bank auch andere Möglichkeiten: Teilzeitjobs, Arbeitszeitverkürzung, Sabbatjahre oder den Wechsel in eine Qualifizierungsgesellschaft. „Es geht um das ganze Spektrum“, sagte Sprecherin Renate Christ. Fest steht aber, dass die Filialen vom Stellenabbau ausgenommen werden. Das Privatkundengeschäft soll nicht tangiert werden. 90 Prozent der Jobs werden in Abwicklungs- und Organisationsbereichen – im Back Office – wegfallen. Vier Wochen haben die Beschäftigten Zeit, sich zu äußern. Dann wird die Bank einen Eindruck haben, wie viele Mitarbeiter die „Einladung“ zur Ausladung annehmen. Bei der Commerzbank hat ein ähnliches Programm funktioniert, auf Kündigungen habe man verzichten können, sagt ein Sprecher.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann verspricht, dass seine verbliebenen Mitarbeiter jetzt einen sicheren Job haben. „Es geht nicht mehr in erster Linie um Kosten, sondern um die Steigerung der Erträge“, heißt es. Allenfalls im Investmentbanking werde noch gekappt, sagt die Gewerkschaft Verdi. Aber dies treffe in erster Linie den Standort London. Verschärfen könnte sich die Lage für die Banker allerdings, wenn aus Gerüchten Tatsachen werden und es zu Fusionen käme. Dann, glaubt Verdi-Vorstandsmitglied Hinrich Feddersen, würden weitere 30000 Jobs vernichtet. Neuerliche „Einladungen“ würden dann wenig helfen.

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