Wirtschaft : Einmal Chef – ewig Chef

Deutsche Mittelständler tun sich schwer mit der Suche nach einem Nachfolger

Daniel Rhee-Piening

Für das neue Jahr nimmt man sich immer viel vor. Gesünder essen zum Beispiel, oder mehr Sport zu treiben. Mancher Unternehmer wird anlässlich des Jahreswechsels auch darüber nachgedacht haben, ob es nicht an der Zeit ist, die Verantwortung an der Spitze der Firma in jüngere Hände zu legen.

Jährlich sind in Deutschland rund 71 000 Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 50 000 Euro „übergabereif“, hat Gunter Kayser, ehemaliger Geschäftsführer des Instituts für Mittelstandsforschung errechnet.

In Berlin kamen im vergangenen Jahr mehr als 2600 Unternehmen dafür in Frage. Sie beschäftigten, so Kayser, etwa 18 400 Mitarbeiter. In rund 65 Prozent der Fälle war das Alter des Firmenchefs der Grund, bei etwa zehn Prozent war es ein Wechsel des „Chefs“ in eine andere Tätigkeit und beim Rest kam der Übergabegrund unerwartet: Das Firmenoberhaupt verstarb oder erkrankte schwer.

„Gerade das plötzliche Ausscheiden des Chefs kann den Fortbestand des Unternehmens gefährden“, sagt Kayser. Viel zu wenige Unternehmer haben Vorkehrungen für diesen Fall getroffen, so der Mittelstandsexperte. Dabei sollten Unternehmer bereits im Alter von 40 Jahren eine Lösung für die ungeplante Nachfolge parat haben, sagt Kayser. Sinnvoll sei beispielsweise eine Stellvertreterregelung. 15 Jahre später sollte der Unternehmer dann damit beginnen, innerhalb und außerhalb der Firma nach einem Nachfolger zu suchen und mit diesem gemeinsam etwa fünf Jahre später die Führung übernehmen. Mit 65 Jahren sei dann ein guter Zeitpunkt erreicht, die Führung ganz an den Nachfolger abzugeben.

Doch deutsche Unternehmer trennen sich nur schwer von ihren aktiven Aufgaben. Zum Zeitpunkt der Übergabe sind sie im Durchschnitt 66 Jahre alt. In Großbritannien sind die Firmenchefs 51 und im EU-Durchschnitt 56 Jahre alt.

Liegt es an ungenügender oder gar mangelhafter Information? Nachfolger-Börsen, wie sie verschiedene Industrie- und Handelskammern im Internet anbieten, lösen das Problem nicht, ist Kayser überzeugt. Nur etwa fünf Prozent der Unternehmer nutzen als Informationsquelle die Kammer. Immerhin 53 Prozent der Firmenchefs wenden sich bei der Suche nach einem Nachfolger an ihren Steuerberater. Dieser soll dann meist auch bei den Formalitäten des Übergangs helfen. Knapp 27 Prozent der Unternehmer vertrauen ihrem Rechtsanwalt, gut elf Prozent greifen auf den Rat von Freunden zurück.

Nur in etwa acht Prozent wird auch die Hausbank zu Rate gezogen. Dies ändern möchte nun die deutsche Tochter der Schweizer Großbank Credit Suisse. Zielgruppe sind Inhaber mittelständischer Unternehmen mit einem Unternehmenswert von etwa zehn Millionen Euro an aufwärts. „Wir wollen den Unternehmer nicht nur als Privatperson, sondern auch dessen gesamtes Unternehmen und dessen Entwicklung in die persönliche Finanzplanung mit einbeziehen“, sagt Matthias Zander Leiter der Unternehmerberatung der Credit Suisse in Deutschland. Man bringe den Unternehmer, den Steuerberater, den Rechtsanwalt, den besten Freund und schließlich auch den Banker an einen Tisch.

„Wir bieten Unternehmern dreifachen Mehrwert“, sagt der Banker. „Erstens stellen wir ihm bei der Nachfolge alternative Finanzierungsformen zur Verfügung, zweitens beraten wir ihn bei der Nachfolgeregelung und drittens bieten wir ihm mit unserem Netzwerk eine Möglichkeit, mit anderen Unternehmern in Kontakt zu treten und so zum Beispiel strategische Partnerschaften oder Joint-Ventures zu prüfen.“

Doch auch mit der Hilfe der Bank ist die Übergabe des Unternehmens kein einfaches Unterfangen warnt Kayser. Der mit der Übergabe verbundene Zeitaufwand werde häufig unterschätzt. Und Mängel in der Unternehmensnachfolgeplanung könnten schließlich zu einem konkreten Wertverlust des Unternehmens führen – bis hin zur Pleite.

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