Wirtschaft : Ein Schritt voraus

Eine Weiterbildung bringt Arbeitnehmer auf der Karriereleiter nach oben. Man muss es den Chefs aber auch sagen.

Viola Zech
Hoch hinaus. Berufliche Bildung und lebenslanges Lernen sind Schlüssel zum dauerhaften Erfolg. Darum lohnt es sich auch, in der Firma nach Angeboten zu fragen. Foto: dpa
Hoch hinaus. Berufliche Bildung und lebenslanges Lernen sind Schlüssel zum dauerhaften Erfolg. Darum lohnt es sich auch, in der...Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Endlich vorankommen im Beruf, das ist das große Ziel. Eine berufliche Weiterbildung kann dabei helfen. Aber natürlich nur, wenn man vorher die richtigen Schritte im Betrieb einleitet. Damit die Fortbildung nicht verpufft, weil man die neue Qualifikation im Betrieb gar nicht einbringen kann. Wenn man einiges beachtet bei der Planung, Durchführung und dem Abschließen der Weiterbildung, führt das Lernen auch zum gewünschten Erfolg.

DER ZEITPUNKT

Die meisten Chefs bieten Weiterbildungen und Schulungen an, die die Arbeit noch effizienter machen sollen, Kurse zum Thema Zeitmanagement beispielsweise. „Die Weiterbildungsinteressen vieler Angestellter gehen aber darüber hinaus. Diese wünschen sich oft eine richtige Veränderung, möglicherweise sogar einen Arbeitsplatz in einer anderen Abteilung“, sagt Christian Püttjer, Karrierecoach und Buchautor. In diesem Fall sollte man sich außerhalb seiner Abteilung ins Gespräch bringen. Das gelingt zum Beispiel dadurch, dass man zunächst ein Projekt übernimmt, das abteilungsübergreifend angelegt ist. Anschließend ist der ideale Zeitpunkt, nach einer Weiterbildung zu fragen, die noch mehr Kenntnisse auf dem neuen Gebiet bringt. Hier ist dann Fingerspitzengefühl und etwas Überredungskunst gefragt, denn der Chef muss überzeugt werden, dass es sich lohnt zu investieren.

Doch nicht immer passt die subjektive Situation mit der des Unternehmens zusammen. „Was den Zeitpunkt einer Weiterbildung betrifft, würde ich mir immer die Situation in meiner Abteilung und im Unternehmen genau ansehen“, sagt Karrierecoach Albert Blomert. Über Fachzeitschriften oder Fachtagungen der eigenen Branche kann man sich informieren, was aktuell auf dem Markt und bei der Konkurrenz los ist. „So kann man, wenn sich im Unternehmen keine neue Perspektive öffnet, auch zur Konkurrenz wechseln“, sagt Albert Blomert.

DIE PLANUNG

Die konkrete Planung einer Weiterbildung ist unerlässlich, je konkreter, desto besser. „Einfach zu sagen, dass man sich weiterentwickeln möchte, reicht nicht aus, um erfolgreich zu sein“, sagt Uta Glaubitz, Berufsberaterin. Stattdessen sollte man sich vorher ganz genau überlegen, wohin es gehen soll. Möchte ich mit einer Weiterbildung erreichen, dass ich eine Führungsposition übernehmen kann? Möchte ich mehr Gehalt? Oder möchte ich sogar die Branche wechseln? Diese Fragen müssen geklärt werden. „Weiterbildung ist immer Mittel zum Zweck und keine Beschäftigungstherapie“, sagt Uta Glaubitz.

Möchte man tatsächlich das Unternehmen wechseln, sollte man das unter Umständen sogar besser für sich behalten und über die Weiterbildung Stillschweigen bewahren. Man kann seinen Ehrgeiz nach Weiterentwicklung und Weiterbildung aber auch kundtun. „Das kann sich auszahlen, wenn der Chef dann zum Beispiel versucht, den Mitarbeiter zu binden, indem er ihm eine neue Perspektive oder eine Sonderaufgabe anbietet“, sagt Albert Blomert.

DAS GESPRÄCH

Liegt das konkrete persönliche Ziel innerhalb der Firma, in der man gerade arbeitet, führt kein Weg an einem Gespräch mit der Personalabteilung vorbei. Denn eine Weiterbildung ist Teil des eigenen, konkreten Karriereplans. „Spätestens nach ein bis zwei Jahren ist es an der Zeit, einen Termin mit der Personalabteilung oder dem Vorgesetzten zu vereinbaren“, empfiehlt Püttjer. Mehr Zeit sollte man nicht verstreichen lassen. „Wer sich verändern und weiterentwickeln möchte, muss sich sichtbar machen“, sagt Christian Püttjer. Es reiche nicht, die bisherige Arbeit sehr gut zu machen, man müsse sich auch aktiv neuen Herausforderungen stellen. „Von Unternehmensseite wird oft erwartet, dass Angestellte von sich aus bei ihrer Karriereplanung tätig werden“, sagt Püttjer.

DIE FINANZIERUNG VERHANDELN

Die Finanzierung einer Weiterbildung muss genau verhandelt werden. Ebenso wie viel Freizeit ein Angestellter einbringt. „Nur ein Drittel der betrieblichen Weiterbildung findet in der Freizeit der Angestellten statt“, sagt Tanja Nackmayr, stellvertretende Abteilungsleiterin für berufliche Bildung bei der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. Die Arbeitgeberseite wünsche sich daher, dass Angestellte mehr von ihrer Freizeit einbringen und so in Weiterbildung investieren, die auch dem Arbeitnehmer selbst zugute kommt.

Wenn ein Unternehmen die Kosten übernimmt, muss die sogenannte Rückzahlungsklausel bedacht werden. Mit einer Rückzahlungsklausel kann sich ein Arbeitgeber absichern, dass ein Angestellter nicht unmittelbar nach der Finanzierung einer kostspieligen Weiterbildung ein Unternehmen verlässt. Ein Angestellter muss sich dann, je nach Absprache, für einen längeren Zeitraum an ein Unternehmen binden oder muss einen Teil der Kosten für die Weiterbildung an das Unternehmen zurückzahlen, wenn er das Unternehmen frühzeitig verlassen will. Wer sich unsicher ist, was den Vertragsabschluss betrifft, kann sich von einem Anwalt für Arbeitsrecht beraten lassen. Die Frage nach einer Gehaltserhöhung stellt man übrigens am besten erst, wenn die Weiterbildung abgeschlossen ist. „Man kann aufgrund von Absichtsbekundungen, wie etwa dem Vorhaben, eine Weiterbildung zu machen, noch nichts einfordern“, sagt Albert Blomert.

DIE DURCHFÜHRUNG

Während einer Weiterbildung darf man das Tagesgeschäft aufgrund der Mehrbelastung auf keinen Fall vernachlässigen. „Man darf sich keine Blöße geben und in der Leistung abfallen“, sagt Albert Blomert. Hier zeigt sich, wie wichtig es ist, auch vorher abgeklärt zu haben, wann man konkret aufgrund der Weiterbildung fehlt und welche Aufgaben man nicht wahrnehmen kann. „Eine Weiterbildung parallel zum üblichen Arbeitspensum zu machen, ist knüppelhart und anstrengend. Und wer es schafft, beides gut zu planen und miteinander zu vereinbaren, der sammelt Pluspunkte gegenüber Mitbewerbern“, sagt Albert Blomert. Während der Weiterbildung sollte man auch darauf achten, dass man von Informationsprozessen und Entscheidungen innerhalb der Firma nicht abgeschnitten ist. „Das ist sehr wichtig, nur so bleibe ich im Unternehmen vernetzt und laufe nicht Gefahr, auf dem Abstellgleis zu landen“, sagt Püttjer. Das neue Wissen kann man auch während der Weiterbildung hin und wieder durch einen Vortrag sichtbar machen und Kollegen und Vorgesetzte darüber informieren, was man gerade lernt.

NACH DER WEITERBILDUNG

Jetzt zeigt sich, wie wichtig die genaue Absprache vor der Weiterbildung gewesen ist. Wer das Gelernte nicht bald nach der Weiterbildung anwenden kann, hat schnell alles wieder vergessen. „Eine Weiterbildung allein reicht nicht aus, um weiter zu kommen. Worauf es dann tatsächlich ankommt, ist die Arbeitserfahrung auf dem neuen Gebiet“, sagt Albert Blomert. Kann man seine neuen Kenntnisse in einer Firma nicht einbringen, sollte man sich dringend nach einem anderen Job umsehen. Die Rückzahlung kann übrigens ganz oder teilweise hinfällig werden, wenn sich ein Unternehmen nicht an die Absprachen hält und dem Angestellten nach der Weiterbildung keine neue Perspektive bieten kann. „In einem solchen Fall sollte ein Mitarbeiter vor einer Kündigung das Gespräch mit dem Unternehmen suchen“, sagt Christian Püttjer. Und sich bei Differenzen mit der Firma hinsichtlich der Rückzahlung der Weiterbildungskosten auch hier vom Fachanwalt beraten lassen.

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