Einsparungen : Chemiebranche rechnet mit langer Schwäche

Mit einer ungewöhnlich harten Restrukturierung will der Chemiekonzern BASF die Integration der Ciba-Gruppe verbinden. Fast jeder zweite Standort steht zur Disposition.

Siegfried Hofmann (HB)

Frankfurt am Main - Der Ludwigshafener Konzern stellt bei Ciba 23 von insgesamt 55 Produktionsstandorten auf den Prüfstand, will rund 3700 Arbeitsplätze im Zuge der Eingliederung abbauen und strebt Einsparungen von jährlich mindestens 400 Millionen Euro an. Die Restrukturierung von Ciba ist damit das bislang deutlichste Beispiel für die möglicherweise bevorstehende Neuordnung der europäischen Chemiebranche.

Gegenüber früheren Plänen hat die BASF dabei ihre Synergieziele nochmals leicht erhöht. Das am Montag genannte Sparvolumen entspricht knapp elf Prozent des letztjährigen Ciba-Umsatzes, während zuletzt von Synergien von rund zehn Prozent des Umsatzes die Rede war, bei Abschluss des Geschäfts im vergangenen September sogar lediglich von branchenüblichen fünf Prozent.

Der Zwang, härter durchzugreifen als ursprünglich erwartet, resultiert aus der extrem schwachen Geschäftsentwicklung in den meisten Ciba-Sparten. Mit dem Kauf des Baseler Konzerns verstärkt die BASF ihr Geschäft im Bereich Kunststoffzusätze, Pigmente sowie Papier- und Wasserchemikalien. Ciba hat nach BASF- Angaben im ersten Quartal operativ mit Verlust gearbeitet und dürfte auch im Gesamtjahr rote Zahlen schreiben. Der Konzern hatte das Geschäft Mitte September besiegelt und Anfang April formal vollzogen.

Die gesamte Branche richtet sich zusehends auf eine lange Schwächephase ein. Nach Einschätzung von Fachleuten wächst für die Konzerne der Druck, überschüssige Kapazitäten zu bereinigen.

Ausgangspunkt sind die nach wie vor eher schwachen Aussichten bei den Abnehmern wie der Bau- oder Autoindustrie. Zwar gehen viele Branchenbeobachter davon aus, dass sich das Chemiegeschäft nach dem drastischen Einbruch zwischen Oktober und März im zweiten Quartal wieder etwas erholt hat. Nach wie vor bleibt aber unklar, inwieweit dabei Vorratseffekte eine Rolle spielen und auf welchem Niveau sich die tatsächliche Nachfrage bewegt.

Der europäische Branchenverband Cefic geht für 2009 von einem Produktionsrückgang von elf Prozent aus und erwartet für 2010 nur ein Plus von fünf Prozent. Die Ratingagentur Moody’s unterstellt für 2010 eine langsame Erholung von Nachfrage und Profitabilität. Kostensenkungsprogramme, heißt es bei Moody’s, dürften die negativen Effekte nur teilweise ausgleichen.

Branchen-Analysten kalkulieren inzwischen Szenarien durch, die von einem längeren Verharren in der Talsohle ausgehen. In diesem Fall, schätzen Experten der LBBW, wäre bei führenden Chemiefirmen mit einem Umsatzrückgang um 20 Prozent und einem Einbruch der Betriebsgewinne um 70 Prozent zu rechnen. LBBW-Analyst Matthias Schell betrachtet diese Kalkulation jedoch als eher konservatives Szenario. Einige Faktoren sprächen dafür, dass es nicht ganz so schlimm kommen werde. Zudem arbeiteten die meisten Firmen inzwischen intensiv an einem Abbau von Umlaufvermögen und hätten zudem geringere Steuerzahlungen als in den Vorjahren zu leisten .

Unterdessen hat die Bereinigung von überschüssigen Kapazitäten bereits begonnen. Besonders drastische Einschnitte stehen im Zuge von Übernahmen und Akquisitionen an, wie jetzt die Pläne der BASF für Ciba bestätigen. Unabhängig davon mehren sich die Ankündigungen dauerhafter Werksschließungen. Siegfried Hofmann (HB)

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