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Einstieg bei Delivery Hero : Rocket Internet stillt seinen Hunger

Für eine halbe Milliarde Euro steigt der Berliner Start-up-Finanzierer Rocket Internet bei der Online-Plattform Delivery Hero ein. Sie bietet in 24 Ländern einen Lieferservice. Essen ist nach Ansicht der Samwer-Brüder das nächste große Ding im Internet.

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Oliver Samwer, Gründer und Vorstandsvorsitzender von Rocket Internet.
Oliver Samwer, Gründer und Vorstandsvorsitzender von Rocket Internet.Foto: dpa/Boris Roessler

Die Nummer eins ist für Oliver Samwer die einzig akzeptable Position. Und wo er es noch nicht ist, da will der Berliner Unternehmer es werden. Den jüngsten Versuch lässt sich der Chef der Start-up-Schmiede Rocket Internet eine halbe Milliarde Euro kosten. Für diesen Betrag erwirbt die Holding 30 Prozent an Delivery Hero. Auf der Plattform können Pizzabäcker, Burger-Läden, Sushi-Bars und andere Restaurants ihr Essen anbieten. Der Kunde bestellt vom heimischen Rechner, Tablet oder übers Smartphone von unterwegs. Der Lieferdienst bringt das Essen dann zur gewünschten Adresse. Bezahlen muss die Nutzung der Plattform – zu zumindest vordergründig – nicht der Endkunde, sondern der Lieferservice. Delivery Hero beispielsweise soll von seinen Partnern eine Provision von mehr als zehn Prozent kassieren.

Delivery Hero, seit 2010 zunächst als Lieferheld in Deutschland gestartet, gehört zu den Großen im Markt. Rund 1000 Menschen arbeiten weltweit für das Unternehmen, allein in der Berliner Zentrale den Angaben zufolge rund 400. Delivery Hero sieht sich selbst in einer Liga mit dem amerikanischen Konkurrenten Grubhub und dem britischen Anbieter Just Eat. Das Unternehmen ist in 24 Ländern aktiv. Nach Angaben von Freitag hat Delivery Hero 90 000 Restaurants als Partner. Die halbe Milliarde Euro reicht nicht nur für den Kauf der Anteile. Rocket stockt damit nach eigenen Angaben auch das Kapital bei Delivery Hero auf. Beim Einsammeln neuer Gelder ist die Liefer-Plattform ohnehin recht erfolgreich. Allein im vergangenen Jahr gaben Investoren eine gute halbe Milliarde Euro für das weitere Wachstum des Unternehmens.

Essen ist größer als Heim, Mode oder Reise

Oliver Samwer nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn er darüber spricht, was er mit dem Zukauf bezweckt. Mit einer Größe von 324 Milliarden Euro sei der Sektor rund ums Essen derzeit der vielversprechendste im Internet. Größer als Heim, Mode oder Reise. Samwer will Grubhub und Just Eat angreifen, einholen, überholen. Es könne zwar sein, dass Just Eat mehr Geld habe, sagte er bei einer Pressekonferenz. Es könne auch sein, dass die Briten in bestimmten Teilen der Welt Marktführer seien. Aber: „Die machen mir keine Angst“, sagte der Unternehmer, der für seine markigen Worte bekannt ist. „Ich werde der Größte sein.“

Globaler Anspruch

Allein durch den Einkauf bei Delivery Hero wird das nicht gelingen. Deshalb verkündete Rocket Internet am Freitag noch eine ganze Reihe weiterer Investitionen. In Spanien übernimmt die Holding, die in der Regel erfolgversprechende Geschäftsideen von Start-ups kopiert und als eigene Unternehmen auf den Markt bringt, die Bestellplattform La Nevera Roja. In Italien kommt Pizzabo hinzu. Anders als im Fall von Delivery Hero äußerte sich das Unternehmen bei den beiden Akquisitionen in Südeuropa nicht zum Kaufpreis.

Gemeinsam mit Foodpanda, das vor allem in Schwellenländern aktiv ist und an dem Rocket 52 Prozent hält, bilden die Bestellportale eine weltweite Gruppe. Samwers Anspruch unterstreicht auch der Name des Firmenbündels: Global Online Takeaway Group. Sie hat nach Unternehmensangaben 140 000 Partner in 64 Ländern. Jährlich liege das Volumen bei 78 Millionen Bestellungen. An der Börse kamen Samwers große Pläne gut an. Die Rocket-Aktie verbesserte sich bis kurz vor Handelsschluss um zehn Prozent.

"Keine zu großen Implikationen"

Die Konkurrenz sieht der angekündigten Übermacht dennoch gelassen entgegen. Nummer zwei am deutschen Markt und direkter Konkurrent von Lieferheld ist Lieferando. „Wir erwarten keine zu großen direkten Implikationen auf unseren Kernmärkten“, sagt Gründer Jörg Gerbig. Das Unternehmen wurde im vergangenen Jahr von Takeaway.com gekauft, einem der weltweit größten Lieferservice-Unternehmen. Gerbig leitet dort mittlerweile das operative Geschäft. Er glaubt nicht, dass sich durch den Rocket-Deal die Strategie von Delivery Hero stark ändern wird. Zudem konzentriere sich sein Unternehmen hauptsächlich auf den europäischen Markt. „Das Spiel von Delivery Hero ist viel globaler ausgelegt und hat auch einen starken Fokus auf Regionen außerhalb Europas“, sagt Gerbig.

Ziel sei eine Marktführerposition in Deutschland. Demnächst soll Lieferando mit der Takeaway.com-Tochter Lieferservice.de zusammengehen. Der Markt ums Essen auf Rädern bleibt also in Bewegung – wohl auch deshalb sieht Gerbig die Expansion von Rocket sportlich.

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