Einstieg bei Japanern : VW fährt mit Suzuki nach Indien

Der VW-Konzern hat einen großen Schritt in Richtung Weltmarktführerschaft getan. Am Mittwoch unterzeichnete VW-Chef Martin Winterkorn in Tokio eine Rahmenvereinbarung mit der japanischen Suzuki Motor Corporation.

Alfons Frese[Berlin],Christine Möllhoff[Neu-Delhi]

Der VW-Konzern hat einen großen Schritt in Richtung Weltmarktführerschaft getan. Am Mittwoch unterzeichnete VW-Chef Martin Winterkorn in Tokio eine Rahmenvereinbarung mit der japanischen Suzuki Motor Corporation. VW übernimmt demnach für 1,7 Milliarden Euro 19,9 Prozent an Suzuki. Die Japaner wiederum kaufen für maximal 850 Millionen Euro VW-Anteile.

Über den Einstieg bei Suzuki will sich VW den rasant wachsenden indischen Markt erschließen. Nach China gilt Indien mit seinen gut eine Milliarde Einwohnern als der Absatzmarkt der Zukunft. Dort brummt vor allem das Geschäft mit Kleinwagen, die auch für die langsam zunehmende Mittelschicht erschwinglich sind.

VW-Chef Winterkorn sagte in Tokio, die Branche befinde sich „in einem grundlegenden Umbruch“, Allianzen und Kooperationen seien an der Tagesordnung. In Anwesenheit von VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch bekräftigte Winterkorn das Ziel, bis spätestens 2018 Toyota als weltweit größten Autohersteller abgelöst zu haben. „Wenn es schneller gelingt, sind wir glücklich“, sagte Winterkorn. Addiert man die Stückzahlen von Suzuki (2,3 Millionen Fahrzeuge) und VW (6,3 Millionen), dann sind die neuen Partner Toyota (9,2 Millionen) nah auf den Fersen.

VW bewertete die Partnerschaft mit Suzuki als „entscheidende Weichenstellung für die Zukunft“, beide Firmen würden sich hinsichtlich der Produkte, Vertriebsnetze und Produktionsstätten „ideal ergänzen“. Vor allem bei der Entwicklung und Produktion kleiner, schadstoffarmer Autos würden Volkswagen und Suzuki ihre Kräfte bündeln und innovative technische Lösungen anbieten. Das gelte für Kunden in den Industrieländern ebenso wie für Autokäufer in den Schwellenländern, die ihren ersten Pkw erwerben, hieß es.

Die globale Finanzkrise hat zwar auch die Kauflaune der Inder gedrückt, inzwischen ziehen die Autoverkäufe aber wieder kräftig an: In den ersten acht Monaten des laufenden Finanzjahres (bis 31. März 2010) verkauften die 13 indischen Autobauer 1,22 Millionen Autos. Das waren 20 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Im November schnellten die Verkäufe sogar um 61 Prozent auf über 133 000 Stück hoch. Allerdings ist der indische Markt immer noch vergleichsweise klein: So wurden in China allein im November über eine Million Autos verkauft. Die Marktführer in Indien sind Maruti Suzuki India, Hyundai und Tata. VW ist erst Anfang 2009 mit einer eigenen Fabrik in Indien durchgestartet und noch weit entfernt von Marktanteilen wie in China (rund 20 Prozent). Der VW-Anteil in Indien liegt bei etwa 1,5 Prozent.

In Deutschland gab es zwiespältige Reaktionen auf die deutsch-japanische Partnerschaft. An der Börse legte die VW-Aktie in einem schwachen Markt zu, Analysten sprachen von einem „vielversprechenden Einstieg“ von VW bei Suzuki. Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Christian Wulff (CDU) wies dem Deal „allergrößte Bedeutung“ zu. „VW ist nun in allen Weltmärkten und in allen Marktsegmenten vertreten“, freute er sich. Suzuki habe eine hohe Kompetenz etwa bei der Batteriespeichertechnik, bei Elektromotoren und bei der Fahrsicherheit.

Skeptischer äußerte sich der Leiter des Center of Automotive an der Fachhochschule der Wirtschaft Bergisch Gladbach, Stefan Bratzel. „Volkswagen muss sich vor dem Titanic-Syndrom schützen und darf sich nicht in falscher Sicherheit wiegen. Bei großen Fehlern ist der Tanker sinkbar“, sagte Bratzel gegenüber „Handelsblatt Online“. Dagegen sagte der Oberhausener Automarktexperte Ferdinand Dudenhöffer, mit der neuen Allianz habe VW „den Schlüssel, weltweit die Marktführerschaft zu erringen“.

Frank Schwope von der NordLB betonte die künftig gute Stellung von VW in Indien sowie den Zugriff auf die Kleinwagenkompetenz von Suzuki. VW hat zwar für 2011 den Kleinwagen Up angekündigt, doch der Trend geht vermutlich weiter in Richtung Kleinstwagen. Schwope verwies indes auch auf die schwierige Integration von Porsche im VW-Konzern und die ebenfalls komplizierte Zusammeführung der Lkw-Marken Scania, MAN und VW-Nutzfahrzeuge. Schließlich, so Schwope, sei Daimler mit der Idee einer Welt AG gescheitert. Allerdings sei der VW-Konzern derzeit besser aufgestellt.

Zum Konzern gehören die Marken VW, Audi, Seat, Skoda, Bentley, Bugatti, Lamborghini, VW Nutzfahrzeuge und demnächst Porsche.

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