Einstieg : China greift nach der Deutschen Bahn

Chinas staatlicher Investmentfonds erwägt einen Einstieg bei der Deutschen Bahn. Der Staatsfonds wirbt bei Finanzminister Peer Steinbrück um Anteile des Konzerns – die Grünen sind skeptisch.

Bernhard Bartsch[Peking],Carsten Brönstrup[Berlin]
Bahn
Kontrollverlust. Der Staat behält zwar das Sagen bei der Bahn, doch auch ausländische Investoren können bald mitreden. -Foto: dpa

Chinas staatlicher Investmentfonds erwägt einen Einstieg bei der Deutschen Bahn. Nach einem Treffen mit Pekings Chefinvestor Lou Jiwei erklärte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) am Dienstag in der chinesischen Hauptstadt, es gebe „durchaus Interesse“ an dem für Oktober geplanten Teil-Börsengang. Während der Olympischen Spiele sei bereits Bahn-Chef Hartmut Mehdorn zu Gesprächen in Peking gewesen und habe von „neugierigen Anfragen“ berichtet, sagte Steinbrück. Zuvor hatten bereits die russische Staatsbahn RZD sowie Investoren aus dem Nahen Osten Interesse angemeldet.

Konkrete Kaufabsichten habe der Vorsitzende der China Investment Corp. (CIC) allerdings vorerst nicht durchblicken lassen, berichtete Steinbrück. „Die haben keine Meldung dafür abgegeben“, schränkte er ein. Man habe das Projekt nur „beispielhaft besprochen“. Die Bahn will 24,9 Prozent ihrer Sparte DB Mobility Logistics verkaufen, in der der Personen- und der Güterverkehr gebündelt sind. Dabei zielt sie auf institutionelle Investoren ab. Pikant ist das Interesse der Chinesen, weil das Kabinett erst vor Kurzem eine Regelung beschloss, mit der unliebsamen Investoren ein Engagement bei deutschen Firmen verwehrt werden kann. Diese Änderung des Außenwirtschaftsgesetzes nannte Steinbrück in Peking „eher harmlos“.

Die Bahn testet derzeit eine Güterzugverbindung von Peking über Berlin nach Hamburg. Auf diese Weise will sie dem Containerschiff Marktanteile abnehmen. Sie kooperiert dabei mit der russischen und der chinesischen Bahn.

Mit Währungsreserven von 1,2 Billionen Euro gehört die Volksrepublik zu den mächtigsten Kräften auf dem Finanzmarkt. Um das Geld, das bisher größtenteils in US-Staatsanleihen angelegt ist, gewinnbringender einsetzen zu können, gründete Peking 2007 die Investitionsgesellschaft CIC, die zunächst 135 Milliarden Euro zur Verfügung hat. Ein Drittel davon soll international angelegt werden. Seitdem wird darüber spekuliert, ob die staatlichen Großinvestoren nur Rendite erwirtschaften sollen, oder ob sie auch industriepolitische Ziele verfolgen, etwa durch Übernahmen westlicher Konzerne. Wobei das eine das andere nicht ausschließen muss, denn Chinas aufstrebende Unternehmen brauchen Rohstoffe, Technik und Wissen. Chinesischen Medienberichten zufolge soll die CIC dem staatlichen Aluminiumkonzern Chinalco Anfang des Jahres bis zu 90 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt haben, um eine Fusion der Minenunternehmen Rio Tinto und BHP Billiton zu verhindern. Durch den Zusammenschluss der beiden entstünde ein Konzern mit einer Vormachtstellung auf dem Erzmarkt, dessen größter Kunde China ist.

CIC-Chef Lou gibt über seine Absichten nur spärlich Auskunft. „Wenn wir ein großes, fettes Kaninchen sehen, dann schießen wir natürlich darauf“, erklärte er vergangenes Jahr, betont gleichzeitig aber stets, man werde „nirgends investieren, wo wir nicht willkommen sind“. Zu seinen ersten Käufen gehörten eine 9,9-Prozent-Beteiligung an der Investmentbank Morgan Stanley für 3,4 Milliarden Euro sowie ein ebenso großer Anteil an der US-Beteiligungsgesellschaft Blackstone für zwei Milliarden Euro.In Peking ist man sich der internationalen Vorbehalte gegenüber chinesischen Beteiligungen bewusst. So scheiterte 2005 eine Übernahme des kalifornischen Energiekonzerns Unocal durch den chinesischen Konkurrenten CNOOC am politischen Protest aus Washington.

In Deutschland traf das Interesse der Chinesen auf Skepsis. „Wer sich auf das Börsenparkett begibt, hat es nicht in der Hand, wer die Aktien kauft“, sagte Winfried Hermann, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen, dieser Zeitung. „Solche Investoren würden dafür sorgen, dass sich der Vorstand um das globale Wachstum im Logistikbereich kümmert – und weniger um den Regionalverkehr etwa in Magdeburg, wo nicht das große Geld zu verdienen ist.“

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