Einzelhandel : Auch Rewe will Medikamente verkaufen

Wohl schon bald gibt Pillen im Supermarkt. Immer mehr Einzelhändler drängen auf einen Markt, den früher für Apotheken reserviert war.

C. Schlautmann

Köln - Für Deutschlands Apotheker wird es eng. Neben Schlecker, dm und Rossmann rüstet sich jetzt auch der Kölner Lebensmittelhändler Rewe, um in den Verkauf von Medikamenten einzusteigen. „Wir stehen mitten in den Startlöchern“, sagte Konzernvorstand Josef Sanktjohanser dem „Handelsblatt“.

Offenbar prüft die Kölner Rewe-Zentrale mehrere Optionen. „Am wahrscheinlichsten ist, dass wir für den Apothekenverkauf, falls wir ihn starten, eine neue Marke schaffen“, deutete er an. Branchenkreisen zufolge hat es dazu bereits Gespräche mit dem Schweizer Pharmahändler Zur Rose AG gegeben. Alternativ prüft Rewe Kreisen zufolge, die bereits jetzt als Mieter in den Rewe- und Toom-Supermärkten untergebrachten selbstständigen Apotheken zu Lizenznehmern zu machen und auf die Marke „Rewe“ umzuflaggen.

Gelingt den Kölnern der Coup, entstünde in Deutschland neben den derzeit über 100 DocMorris-Franchisestandorten eine noch weitaus größere Apothekenkette – und damit ein möglicher Marktführer in dem 23 Milliarden Euro schweren deutschen Arzneimitteleinzelhandel. „Wir betreiben in Deutschland 3000 Supermärkte, die sich für den Vertrieb eignen“, sagte Sanktjohanser.

Anders als die Drogeriemärkte dm und Schlecker, die seit kurzem auf rechtlich wackeligem Boden als Annahmestellen für ausländische Versandapotheken operieren, will Rewe erst mit dem Arzneimittelverkauf beginnen, wenn es dazu eine eindeutige Rechtsgrundlage gibt. Aber noch 2008 wird der Europäische Gerichtshof (EuGH) vermutlich das Fremdbesitzverbot kippen. Es verhindert in Deutschland bislang, dass Kapitalgesellschaften Eigentümer von Apotheken werden können. Zudem hat die EU-Kommission ein Vertragsverletzungsverfahren gegen die Bundesrepublik eingeleitet, weil sie deutschen Apothekern höchstens vier Filialen gestattet. Auch dieses Mehrbesitzverbot schützt Apotheker vor Wettbewerb und schirmt den Markt vor Ketten ab.

Zu den Arzneimittelhändlern könnte bald auch Kaufland zählen. In ihren osteuropäischen SB-Warenhäusern beherbergt die Firma bereits 186 Apotheken. Der Sprung nach Deutschland wäre eine Kleinigkeit. Auch Edeka wird kaum tatenlos zusehen. Schließlich besitzt der Medikamentenverkauf eine hohe Zugkraft für Supermarktkunden und hohe Margen. Während Lebensmittelhändlern zwei bis drei Prozent vom Umsatz bleiben, schaffen Apotheken nach Beobachtung des McKinsey-Experten Steffen Hehner Margen von deutlich über zehn Prozent.

Allerdings, so schätzen Branchenexperten, könnte die Zahl der Apotheken von 21 000 in den nächsten fünf Jahren auf 16 700 sinken. Bei einer Umfrage der Beratungsfirma Sempora gaben 41 Prozent der Apotheker an, sich zu Ketten zusammenschließen zu wollen, falls das Fremdbesitzverbot fällt. 20 Prozent dagegen antworteten: „Ich verkaufe meine Apotheke.“ C. Schlautmann (HB)

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