Wirtschaft : Einzelhandel: Der Stillstand ist zu Ende

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Der deutsche Einzelhandel rechnet in diesem Jahr mit Umsätzen im Weihnachtsgeschäft von rund 27 Milliarden Mark. Das wären rund zwei Prozent mehr als vor einem Jahr. Allerdings befürchtet Walter Deuss, Präsident des Handelsverbandes BAG, dass das zu warme Wetter den Verkauf von Textilien bremsen könnte. Nachdem der Umsatz in den ersten neun Monaten real um 2,6 Prozent gestiegen ist, der Oktober und November allerdings kaum Impulse gebracht haben, setzt Deuss jetzt auf die letzten Wochen vor Weihnachten. "Die Hoffnungen des Einzelhandels ruhen auf dem Dezember und auf dem Weihnachtsgeschäft." Der erste Adventssonnabend sei allerdings enttäuschend verlaufen. Insgesamt aber ist die Stimmung im deutschen Einzelhandel nach Angaben der BAG angesichts der anziehenden Konjunktur optimistischer als vor einem Jahr. Die Zeit der jahrelangen Stagnation scheint beendet. Insgesamt wird der klassische Einzelhandel, ohne Automobile, Benzin, Heizöl und Apotheken, nach Angaben von Deuss in diesem Jahr rund 740 Milliarden Mark umsetzen nach 722 Milliarden Mark in 1999. Für das nächste Jahr erwartet Deuss ein Zuwachs im Einzelhandel von kaum mehr als zwei Prozent. Gleichwohl ist der BAG-Chef nicht zufrieden. Durch die hohen Energiepreise würde dem Einzelhandel ein beträchtlicher Teil an Kaufkraft entzogen, jährlich seien es etwa 20 Milliarden Mark. Insofern fordert die BAG nachdrücklich die zum 1. Januar anstehende weitere Anhebung der Ökosteuer auszusetzen.

Auch die immer noch nicht rosige Ertragslage der Unternehmen wird sich kaum verbessern, unter anderem weil es kaum Spielraum für Preiserhöhungen gibt. Auch die Abschaffung des Rabattgesetzes wird sich nach Ansicht von Deuss kaum in die eine oder andere Richtung auswirken. "Der Preiswirrwarr wird allerdings beendet. Es gibt mehr Klarheit." Angesichts der weiter nicht rosigen Ertragslage wird der Einzelhandel weitere Arbeitsplätze abbauen. In diesem und im nächsten Jahr werden nach Angaben von Deuss jeweils rund 30 000 Stellen gestrichen. Derzeit beschäftigt der Einzelhandel rund zwei Millionen Menschen.

Unzufrieden ist man bei der BAG mit den geplanten neuen Gesetzen zur Teilzeitarbeit, die dazu führen dass Aushilfskräfte nur einmal beschäftigt werden dürfen, und dass der Teilzeitbeschäftigte seine Arbeitszeit mehr oder weniger selbst bestimmen kann. "Damit ist eine vernünftige Arbeitszeitplanung im Einzelhandel kaum mehr möglich."

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