Wirtschaft : Einzelhandel: "Die Menschen machen sich einfach Sorgen"

Herr Twardawa[warum halten sich die Konsumenten d]

Herr Twardawa, warum halten sich die Konsumenten derzeit mit Ausgaben zurück?

Die Menschen sind besorgt über die weitere wirtschaftliche Entwicklung. In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit und zahlreicher Pleiten geht die Kaufbereitschaft der Verbraucher zurück.

Erste Indikatoren deuten aber auf ein Anziehen der Konjunktur hin?

Richtig. Noch hat das aber keine Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und die Einkommen der Haushalte. Bessert sich die wirtschaftliche Lage, verbessert sich die Stimmung der Verbraucher erst mit einiger Zeitverzögerung. Erst dann zieht der Konsum wieder deutlich an.

Welche Rolle spielt die Einführung des Euro-Bargeldes?

Viele Verbraucher haben geplante Anschaffungen vorgezogen und ihre restlichen D-Mark-Bestände bereits im vergangenen Jahr aufgebraucht. Das Weihnachtsgeschäft lief entsprechend gut. Nach der Euro-Einführung sorgten angebliche und tatsächliche Preiserhöhung für Verunsicherung. Die Konsumenten wollen sich jetzt erst mal einen Überblick verschaffen und an das neue Geld gewöhnen. Daher verschieben sie Anschaffungen, die nicht unbedingt erforderlich sind.

Fehlt es den Verbrauchern nicht auch an Kaufkraft?

Die Steuererhöhungen zum Jahresanfang fallen kaum ins Gewicht, drücken aber auf die Stimmung. Allerdings brachte der Börsenboom vielen Deutschen satte Gewinne. Vor zwei Jahren hatten die Anleger noch Aktien und Fonds im Wert von 400 Milliarden Euro in ihren Depots. Jetzt sind es nur noch rund 300 Millionen. Diese Kaufkraft fehlt.

Welche Folgen hat das für den deutschen Einzelhandel?

Viele Händler können keine lange Durststrecke überstehen. Sie haben nur eine dünne Kapitaldecke und die Margen sind äußerst mager. Geht es so weiter, müssen tausende Geschäfte schließen.

Ist Besserung in Sicht?

Die Frage ist, wann der Aufschwung an Dynamik gewinnt. Unklar ist auch, wie die Tarifverhandlungen ausgehen. Ich rechne erst nach der Bundestagswahl mit einer grundlegenden Besserung der Situation.

Ist die Politik gefordert?

Die Politik muss die Rahmenbedingungen schaffen. Den privaten Konsum ankurbeln sollte sie nicht.

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