Wirtschaft : Einzelhandel erwartet Umsatzminus in 2002

msh

Der deutsche Einzelhandel rechnet im laufenden Jahr mit einem deutlichen Umsatzrückgang. "Das schwache erste Quartal werden wir im Verlauf des Jahres nicht mehr ausgleichen können", sagte Hubertus Pellengahr, Sprecher des Hauptverbandes des deutschen Einzelhandels (HDE), dem Tagesspiegel. Setze sich die schwache Entwicklung fort, müssten im Jahr 2002 rund 15 000 Geschäfte mit 50 000 Beschäftigten schließen.

In den ersten drei Monaten ging der Umsatz nach Schätzungen des HDE nominal um drei bis vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurück. Besonders schlecht verkauften sich langlebige Konsumgüter wie Unterhaltungselektronik, Möbel oder Textilien. Hier habe es Umsatzeinbrüche um bis zu 20 Prozent gegeben. Trotz traditionell stabiler Lebensmittelumsätze verloren Super- und Verbrauchermärkte einen Teil ihrer Kundschaft an Discounter wie Aldi oder Lidl, die zu Jahresbeginn mit Preissenkungen lockten. Als Grund für Kaufzurückhaltung nannte Pellengahr die "tiefgreifende Vertrauenskrise der Verbraucher" in die weitere Wirtschaftsentwicklung. "Die Menschen haben Angst um ihre Jobs und fürchten eine weitere Erhöhung von Steuern und Abgaben", so Pellengahr. Die Einführung des Euro und die damit einhergehende Diskussion um Preiserhöhungen durch den Handel habe ebenfalls zur Verunsicherung beigetragen.

Pellengahr bekräftigte die Forderung des HDE nach einer dreimonatigen Senkung der Mehrwertsteuer, um den Konsum anzukurbeln: "Der Einzelhandel braucht einen Impuls der Politik, um wieder auf die Beine zu kommen." Das Bundesfinanzministerium hatte kürzlich eine Senkung der Verbrauchssteuern ausgeschlossen.

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