Einzelhandel : Hertie steht schon wieder zum Verkauf

Der Finanzinvestor Dawnay Day will die ehemaligen Karstadt-Warenhäuser nach kurzer Zeit schon wieder loswerden. Die verhaltene Geschäftsentwicklung hat den Besitzern den Spaß verdorben.

Christoph Schlautmann
Hertie
Im März erst enthüllt, jetzt schon wieder zum Verkauf: Hertie. -Foto: ddp

Düsseldorf Die Warenhauskette Hertie, die noch bis vor kurzem unter „Karstadt Kompakt“ firmierte, steht erneut zum Verkauf. Das erfuhr das Handelsblatt aus Investorenkreisen. Danach bieten die Eigentümer um den britischen Finanzinvestor Dawnay Day das Gladbecker Unternehmen in zwei Teilen an. Die Immobilien, heißt es, sollten vom operativen Geschäft getrennt veräußert werden. Ein wesentlicher Grund für den Verkaufsplan dürfte die verhaltene Geschäftsentwicklung sein. Ein Sprecher des Unternehmens wollte sich dazu auf Anfrage nicht äußern.

Die Meldung dürfte vor allem in zahlreichen Klein- und Mittelstädten Nordrhein-Westfalens sowie in Berlin, Hamburg und München für Unruhe sorgen. Dort stehen die meisten der 2500 bis 8000 Quadratmeter großen Hertie-Häuser. Viele gelten an ihren Standorten als Publikumsmagnete für die gesamte Einkaufsstraße. Im August 2005 hatte der Essener Karstadt-Quelle-Konzern 74 kleinere Filialen an den britischen Investor Dawnay Day und die Londoner Unternehmensberatungsfirma Hilco verkauft. Ende 2006 stockte die auf Immobilien spezialisierte Unternehmensgruppe Dawnay Day ihren Anteil von 50 auf 85 Prozent auf. Den Rest halten seitdem zwei Hilco-Manager als Privatinvestoren. Weil die Namensrechte für die ehemaligen „Karstadt“-Häuser ausliefen, erhielten die Standorte im März 2007 den neuen, alten Namen „Hertie“, den sie schon früher trugen.

Schon seit einiger Zeit berichten Insider über einen schleppenden Geschäftsverlauf in den Hertie-Häuser. Was die Skepsis am Erfolg der kleinen Warenhäuser zusätzlich schürte: Die Geschäftsführung, die bei der Übernahme noch eine regelmäßige Berichterstattung über die Ertragszahlen versprochen hatte, schweigt seit zwei Jahren hartnäckig über den Geschäftsverlauf. Auch die angekündigte Expansion blieb bislang aus.

Nach einem mit 30 Millionen Euro negativen Ergebnis 2004 erwarteten die Manager 2005 eine schwarze Null bei 683 Millionen Euro Umsatz, wie Geschäftsführer Ralf Dettmer im September 2005 verkündete. Schon für 2006 hatte er sich eine Vorsteuerrendite von drei Prozent zum Ziel gesetzt. Dass Dettmer sie erreicht hat, darf bezweifelt werden. Vor einer Woche verließ er die Hertie-Geschäftsführung, „um sich beruflich neu zu orientieren“.

Dettmer ist nicht der einzige Topmanager, der das Unternehmen seit der Abspaltung von Karstadt-Quelle verlassen hat. Harald Fölkel, mit dem Dettmer vor zwei Jahren an der Unternehmensspitze gestartet war, quittierte Mitte 2006 seinen Job. Im März 2007 ging Finanzchef Klaus Rättig. Er war erst im Vorjahr zur Warenhauskette gestoßen.

Die Aufgaben von Dettmer übernimmt Kay Hafner, der seit Juni 2006 den Geschäftsführungsvorsitz innehat. Vor knapp zwei Jahren war der amtierende Hertie-Chef selbst in einer ähnlichen Situation wie Dettmer gewesen. Im September 2005 wurde er als Geschäftsführer von Wal-Mart Deutschland abgelöst, kurz bevor der Metro-Konzern die defizitäre SB-Warenhauskette übernahm.

Gegenüber dem Handelsblatt bezweifelten Investoren, dass Dawnay Day für das operative Geschäft rasch einen Interessenten finden wird. Beim Kauf des Unternehmens vor zwei Jahren hatten die Briten rund 500 Millionen Euro auf den Tisch gelegt – während Analysten den wahren Wert damals gerade einmal auf die Hälfte taxierten. Der hohe Preis, vermuteten Insider, sei zustande gekommen, weil Karstadt-Quelle den Käufern noch bis 2007 Dienstleistungen wie Warenbeschaffung oder IT-Betreuung zu „Freundschaftspreisen“ zusicherte. Diese Möglichkeit aber fehlt den derzeitigen Finanzinvestoren nun beim geplanten Weiterverkauf. Zudem besitzen die 4800 Mitarbeiter bis Ende 2007 durch einen Sanierungstarifvertrag eine Jobgarantie. HB

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