Einzelhandel : Hoffen auf das Weihnachtsgeschäft

Der Einzelhandel ist mit großen Hoffnungen ins Weihnachtsgeschäft gestartet. Besonders in Berlin ist die Stimmung gut. Bundesweit rechnet der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels hingegen mit einem leichten Umsatzrückgang.

Jahel Mielke
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Gewichtiger Posten. Trotz Krise wollen die deutschen Einzelhändler dieses Jahr 73 Milliarden Euro im Weihnachtsgeschäft umsetzen....Foto: dpa

Berlin - Advent. Zeit der Hoffnung. Auch beim Handelsverband Berlin-Brandenburg. Das Weihnachtsgeschäft könnte in Berlin in diesem Jahr besser ausfallen als im Bundesdurchschnitt, heißt es aus der Verbandszentrale am Mehringdamm. Dort peilt man für November und Dezember einen Umsatz auf Vorjahresniveau an. In Zahlen: „Unser Ziel ist es, auch in diesem Jahr auf 3,7 Milliarden Euro Umsatz zu kommen“, sagt Hauptgeschäftsführer Nils Busch-Petersen.

Bundesweit rechnet der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) hingegen mit einem leichten Umsatzrückgang im Weihnachtsgeschäft. Bei einem Minus von 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erwartet der Verband Erlöse von rund 73 Milliarden Euro. Im Gesamtjahr werde sich beim Einzelhandel der Rückgang auf 2,0 Prozent belaufen. Zufrieden zeigte sich am Sonntag HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr mit dem ersten Adventswochenende. Allerdings, das gab er zu, habe „der letzte Kick“ sicher noch gefehlt. Viereinhalb Wochen vor dem Weihnachtsfest sei noch keine richtige Vorweihnachtsstimmung aufgekommen. Doch auch Pellengahr hat noch Hoffnung. Laut einer Trendumfrage gingen viele Händler davon aus, dass das Weihnachtsgeschäft in den kommenden Wochen noch zulegt. Erfahrungen der vergangenen Jahre hätten gezeigt, dass sich die Weihnachtseinkäufe zunehmend in die zweite Monatshälfte verlagerten

Wie die Berliner und Brandenburger geht auch die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in diesem Jahr von einem stabilen Weihnachtsgeschäft aus. Die Erwartungen seien gut, weil viele Firmen Weihnachtsgeld angekündigt hätten und die Preise im Einzelhandel niedrig seien, erklärt Marketingleiter Wolfgang Adlwarth die optimistische Prognose.

Viele Einzelhändler wollen sich jedoch nicht alleine darauf verlassen und ihren Verkäufen noch ein wenig mit Aktionen nachhelfen. Das Shoppingcenter Alexa am Alexanderplatz beispielsweise versucht, Kunden mit Gospelchören, Lesungen und einem Indoor-Weihnachtsmarkt zu locken. „Wir hatten einen sehr starken Oktober, noch besser als im Vorjahr“, sagt Center-Manager Oliver Hanna. Bis November waren die Besucherzahlen um sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. „Deshalb können wir von einem genauso guten Weihnachtsgeschäft ausgehen wie im letzten Jahr.“ Hanna rechnet damit, dass die Kunden in diesem Jahr nicht weniger, sondern nur andere Sachen kaufen. „Im Luxusbereich erwarten wir Einschränkungen.“ Allgemein gebe es eine Tendenz zu Markenprodukten, zu Accessoires und günstigeren Produkten.

Auch die Unterhaltungselektronik- Branche erwartet ein Weihnachtsgeschäft auf Vorjahresniveau. Die Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (GfU) rechnet mit einem Umsatz von 6,9 Milliarden Euro für November und Dezember. Die Branche macht ein Drittel des Jahresumsatzes in der Weihnachtszeit. „Die Wünsche nach aktueller Technik für das Zuhause sind von der Krise kaum beeinflusst“, erklärt Rainer Hecker, Aufsichtsratsvorsitzender der GfU. Andreas Kogge, Einzelhandelsexperte beim Beratungsunternehmen Jones Lang LaSalle, bestätigt dies: „Die Leute geben ihr Geld zurzeit eher für Elektronik aus als für Bekleidung.“

Die großen Elektronik-Händler Saturn und Mediamarkt wollen keine Prognosen abgeben. Sie locken mit einer Null-Prozent-Finanzierung und Sparangeboten. „Wir rechnen mit guten Verkäufen bei Flachbild-Fernsehern, Spielekonsolen, Handys und Notebooks“, sagte eine Mediamarkt-Sprecherin.

Das Geschäft verhageln könnten jetzt nur noch das Wetter. „Unser Weihnachtsgeschäft ist sehr wetterabhängig“, sagt die Sprecherin des Bekleidungshauses C&A, Julia Ley. Anders gesagt: Je kälter es draußen ist, desto besser laufen die Geschäfte. Ist es im November und Dezember zu warm, greifen weniger Kunden zu Jacken, Schals oder Handschuhen. Aber auch wenn die Temperaturen der letzten Wochen nun eher auf den Frühling einstimmten, erwartet das Unternehmen für 2009 dennoch keine Einbrüche im Weihnachtsgeschäft. „Mit den bisherigen Ergebnissen sind wir zufrieden“, sagt Ley.

Berlin, Seite 10

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