Einzelhandel : Kartellamt erzwingt Preissturz

Die Ermittlungen des Bundeskartellamts gegen prominente Markenhersteller zeigen erste Wirkungen. Einzelhändler reagieren mit Rabatten bei Süßwaren, Kaffee und Tierfutter.

Christoph Schlautmann (HB)

DüsseldorfGleich mehrere große Handelsketten senkten in der vergangenen Woche die Verkaufspreise für Süßwaren, Kaffee und Tierfutter – Sortimente, die wegen angeblicher Absprachen bei den Bonner Wettbewerbshütern derzeit unter besonderer Beobachtung stehen.

So bietet Edeka Haribos „Goldbären“ seit Monatsbeginn um 25 Prozent billiger an. Whiskas-Katzenfutter gibt es im Sonderangebot um 22 Prozent reduziert. Der Kölner Wettbewerber Rewe senkte den Preis für Jacobs-Kaffee von 4,29 Euro auf 2,88 Euro. Für „Schogetten“ von Trumpf müssen die Kunden nur noch 49 statt zuvor 69 Cent bezahlen. Lidl gibt die Milka-Schokoladen nun 30 Prozent günstiger ab, Dallmayr-Kaffee gibt es dort nun 22 Prozent billiger. „Die extremen Sonderangebote sind tatsächlich auffällig“, sagte Matthias Queck vom Marktforschungsinstitut Planet Retail.

Die großzügigen Rotstiftaktionen erwecken den Eindruck, die Preise seien zuvor künstlich hoch gehalten worden. Beweise für Absprachen stehen aber aus, da das Kartellamt seine jüngsten Ermittlungen noch nicht abgeschlossen hat. Für die Beurteilung der kartellrechtlichen Verstöße, denen die Wettbewerbshüter derzeit nachgehen, spielten die gefallenen Preise keine Rolle, stellte ein Sprecher klar. Rewe und Edeka erklärten, die Preissenkungen stünden mit den Ermittlungen „in keinem Zusammenhang“. Lidl lehnte eine Stellungnahme ab.

Mitte Januar hatten rund 100 Beamte die Geschäftsräume von 15 Handels- und Herstellerkonzernen durchsucht. Auf der Handelsseite bestätigten Metro, Edeka, Rewe, Lidl, Fressnapf und Rossmann unliebsame Besuche durch die Wettbewerbshüter. Auch Mars in Viersen gab zu, durchsucht worden zu sein. In Branchenkreisen fielen darüber hinaus die Namen der Firmen Kraft (Jacobs, Milka), Melitta und Haribo, die sich zu den Vorgängen jedoch auf Anfrage nicht äußern wollten. Den Lieferanten wirft die Wettbewerbsbehörde vor, mindestens seit 2005 Preise mit den Supermärkten abgesprochen zu haben. Dabei soll es sich um besonders gefragte Artikel gehandelt haben, für die die Hersteller Mindestpreise eingefordert hätten. 

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