Einzelhandel : Lebensmittel bleiben stabil: Gegessen wird immer

Der Handel erwartet 2009 leicht sinkende Umsätze. Die Beschäftigtenzahl soll konstant bleiben

Hannes Heine

BerlinDer deutsche Einzelhandel stellt sich auf ein schwieriges Jahr ein – rechnet aber mit nahezu stabilen Geschäften. Der nominale Umsatz werde 2009 stagnieren oder um maximal ein Prozent schrumpfen, sagte Stefan Genth, der Geschäftsführer des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE), am Dienstag in Berlin. Unter Berücksichtigung der Inflationsrate dürfte das Minus allerdings ein wenig höher ausfallen.

„Die Voraussetzungen für den Einzelhandel sind aber nicht schlecht“, sagte Genth. Die verfügbaren Einkommen seien 2008 gestiegen, davon profitiere der Handel derzeit noch, auch wenn die Arbeitslosigkeit nun wieder steige. Hinzu komme, dass die Deutschen vermutlich künftig weniger Geld zum Sparen zurücklegten. Während in anderen Branchen die Preise stiegen, sei dies im Einzelhandel im viel geringeren Maße zu erwarten. „Dies alles bestärkt uns in unserer Erwartung, dass der Einzelhandel im ersten Halbjahr 2009 das Vorjahresniveau halten kann“, sagte Genth.

Lebensmittelhandel bleibt stabil

Die Umsätze im Einzelhandel sind 2008 real um 0,4 Prozent gesunken. Ein durch die Absatzkrise bedingter massiver Umsatzeinbruch wie in der Industrie blieb im Einzelhandel also aus. Wie es in der zweiten Jahreshälfte weitergehe, hängt dem HDE zufolge vom Arbeitsmarkt ab. Nehme die Arbeitslosigkeit zu, träfe dies unmittelbar den Konsum. „Wir rechnen mit einer schlechteren Umsatzentwicklung“, sagte Genth. Negative Auswirkungen befürchte er auch durch die Abwrackprämie für Autos. Denn durch die forcierten Käufe neuer Autos werde Kaufkraft in Milliardenhöhe gebunden.

Dennoch werde der Versand- und Online-Handel zunehmen, der Lebensmittelhandel immerhin stabil bleiben. „Gegessen wird immer“, sagte Genth und verwies auf den „Cocooning-Effekt“, wonach es sich Verbraucher in Krisenzeiten zu Hause gemütlich machen: Fertiggerichte werden häufiger nachgefragt, Restaurants dagegen verlieren Kunden.

Dem HDE gehören 100.000 der 400.000 Unternehmen der Branche an, die insgesamt 2,7 Millionen Beschäftigte umfasst. „Die Mitarbeiterzahlen werden 2009 stabil bleiben“, sagte Genth. Dies sei eine erfreuliche Prognose, hieß es von der Gewerkschaft Verdi. Auf „angemessene Lohnforderungen“ wolle man aber nicht verzichten. Im März starten Tarifverhandlungen.

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