Wirtschaft : Einzelhandel macht gegen Fabrikverkauf mobil

Factory Outlet Center provozieren grenzüberschreitenden Protest / Länder nutzen Planungsrecht DÜSSELDORF (rv/HB).In Deutschland laufen zur Zeit mehr als 30 Raumordnungsverfahren über die Ansiedlung von Factory Outlet Center (FOC) oder Fabrikverkaufszentren, weiß Robert Weitz, Leiter der volks- und betriebswirtschaftlichen Abteilung des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE) in Köln.Unter Factory Outlet Center versteht man Einkaufszentren, in denen die Hersteller in eigenen Läden am Handel vorbei direkt an den Verbraucher verkaufen.Die laufenden Ansiedlungsbegehren schätzt er auf 50 bis 60. Dagegen nimmt sich die Bilanz der genehmigten Factory Outlet Center und der bereits bestehenden Fabrikverkaufszentren bescheiden aus.Nach Erkenntnis des HDE wurde erst ein größeres Projekt mit einer Verkaufsfläche von 25 000 Quadratmetern in der Gemarkung Ingolstadt genehmigt.Ansonsten gibt es acht, sehr kleinformatige Zentren mit einer Gesamtverkaufsfläche von etwa 7000 Quadratmetern.Der Bau des vieldiskutierten Großprojektes in Zweibrücken (Fläche: 50 000 Quadratmeter) ist noch nicht gesichert, weil drei umliegende Städte gegen die Ansiedlung klagen.Für das geplante FOC in einem alten IBM-Gebäude in Stuttgart wurde die Genehmigung verweigert.Auch die meisten der 30 Projekte, für die das Raumordnungsverfahren läuft, hält Handelsexperte Weitz nicht für genehmigungsfähig, weil sie eine Ausnahmegenehmigung erforderten.Hier ist denn auch der Ansatzpunkt für die Bundesländer, derartigen Projekten mit planungsrechtlichen Mitteln einen Riegel vorzuschieben. Obwohl die Investorengruppen bei der Realisierung ihrer FOC-Pläne bisher auf größten Widerstand gestoßen sind, betrachtet der deutsche Einzelhandel die Entwicklung mit Sorge.Die Branche fürchtet nicht nur für sich Strukturverzerrungen, Abfluß der Kaufkraft an den Stadtrand, Verödung der Innenstädte.Sie warnt auch vor dem gesamtwirtschaftlichen Schaden, der entstehen könnte.In seinem Standpunkt-Katalog verweist der neugegründete Gemeinschaftsverband des Deutschen Einzelhandels (GVE) in Köln darauf, daß dadurch Arbeitsplätze vernichtet würden, weil sie die weitere Zunahme von Teilzeitbeschäftigten und "geringfügig" Beschäftigten förderten.Des weiteren werde die Nahversorgung weiter Bevölkerungsschichten beeinträchtigt.Mit Blick auf die gewachsenen Stadtstrukturen fürchtet der GVE, daß Factory Outlet Center für "das ausgewogene polyzentrische Städtesystem Deutschlands äußerst negative Folgen" haben werden. Die Abwehr formiert sich auch grenzübergreifend.In einer Resolution haben der Landesverband des Bayerischen Einzelhandels (LBE), die Sektion Handel der Österreichischen Wirtschaftskammer und die Wirtschaftskammer Udine/Italien zum grenzüberschreitenden Kampf gegen Factory Outlet Center geblasen.Darin fordern sie Politik und Behörden auf, mit allen Mitteln der Raumordnung und des Baurechts gegen die Ansiedlung dieser Großprojekte vorzugehen.Dem Einzelhandel bleiben neben der Lobby-Arbeit noch seine angestammten Wege gegen die Fabrikverkaufszentren.Im dichtbesiedelten Deutschland, wo die FOC im Gegensatz zu den weiträumigen USA sehr schnell in den Einzugsbereich der Städte geraten und dem Einzelhandel besonders weh tun, werden die Betriebe die Marken der Hersteller kurzerhand aus ihrem Sortiment auslisten.Den Herstellern ist diese Reaktion des Handels durchaus bewußt.Deshalb halten sich, wie Insider beobachten, die im deutschen Handel etablierten Konsumgüterproduzenten mit Bekenntnissen zugunsten der Fabrikverkaufszentren zurück.Immerhin gilt es für sie abzuwägen, ob sie es sich leisten können, den Einzelhandel in weiten Teilen Deutschlands als Absatzweg zu verlieren, wenn sie ihre Ware direkt im eigenen Laden via Factory Outlet Center anbieten.Allerdings haben die großen internationalen Marken bereits angekündigt, daß sie den Weg über deutsche Fabrikverkaufszentren gerne nutzen wollen, um sich auf dem hiesigen Markt zu etablieren.

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