Einzelhandel : Metro verliert in Osteuropa

Erstmals seit 1996 muss der Metro-Konzern Umsatzeinbußen hinnehmen. Die Elektronikketten Mediamarkt und Saturn konnten sich steigern. 2010 will Metro mehr investieren und in Asien expandieren.

David C. Lerch
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Auf und ab. Für die einzelnen Sparten des Handelskonzerns Metro lief das Jahr 2009 ganz unterschiedlich. Während die...dpa

Düsseldorf - Erstmals seit dem Börsengang 1996 muss der Metro-Konzern, Deutschlands größter Einzelhändler, in einem Geschäftsjahr Umsatzeinbußen hinnehmen. Doch verglichen mit der Konkurrenz kommt der Dax-Konzern noch relativ unbeschadet durch das Krisenjahr 2009. Insgesamt gingen die Erlöse um 3,6 Prozent auf 65,6 Milliarden Euro zurück, wie Metro am Dienstag mitteilte. 2008 hatte Konzernchef Eckhard Cordes noch ein Plus von 5,8 Prozent vermelden können.

Als entscheidenden Grund für den Rückgang nannte Cordes die negativen Währungseffekte in Osteuropa. Devisenabwertungen hatten in dieser Region, die knapp ein Viertel des Metro-Umsatzes trägt, die Erlöse 2009 um mehr als 14 Prozent geschmälert. Am Heimatmarkt entwickelte sich Metro dagegen besser als mancher Konkurrent. Im vierten Quartal sank der Erlös um 0,7 Prozent, im Gesamtjahr um 0,6 Prozent. Den deutschen Einzelhandel insgesamt traf die Rezession 2009 deutlich härter: Nach Schätzungen des Statistischen Bundesamtes gingen die Erlöse um bis zu 2,7 Prozent zurück.

Das relativ gute Abschneiden hat Metro den Elektronikketten Mediamarkt und Saturn zu verdanken, die mit groß angelegten Werbekampagnen zum Kauf von TV-Geräten, Spielekonsolen oder Notebooks animierten. Als einziger Geschäftsbereich von Metro erzielten die Elektronikmärkte 2009 ein Umsatzplus. Der Erlös stieg gegenüber dem Vorjahr um 3,7 Prozent auf 19,7 Milliarden Euro. Währungsbereinigt sei sogar ein Plus von 5,5 Prozent zu verzeichnen. Dagegen büßten die Großverbrauchermärkte Cash & Carry, die Kaufhof-Warenhäuser und die Real-Supermärkte deutlich ein.

Durchaus positiv fällt Cordes’ erste Bilanz des Weihnachtsgeschäfts aus. „Der Dezember zeigte im Vergleich zu den ersten beiden Monaten des vierten Quartals eine spürbare Trendbesserung“, berichtete der Metro-Chef. Insgesamt sank der Konzernumsatz von Oktober bis Dezember um 3,4 Prozent auf 19,4 Milliarden Euro und damit stärker als Analysten mit 2,3 Prozent erwartet hatten.

Dass die Metro-Aktie am Dienstag dennoch bis zum Mittag im Plus lag und erst danach leicht ins Minus rutschte, dürfte den noch schlechteren Erwartungen der Anleger und den optimistischen Anmerkungen des Metro-Chefs geschuldet sein: Cordes bekräftigte, dass der Betriebsgewinn (Ebit) wohl „im Rahmen der Markterwartungen“ liege. Analysten taxieren das Ebit für 2009 auf 1,9 Milliarden Euro – nach 2,2 Milliarden Euro im Jahr zuvor. Die Gewinnzahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr legt der Konzern erst Ende März vor.

Zudem kündigte der Konzern für das laufende Jahr eine Erhöhung der Investitionen von 1,6 auf 1,9 Milliarden Euro an, nachdem Cordes die Investitionen 2009 drastisch zurückgefahren hatte. Mit dem Geld will Metro weiter expandieren – vor allem in den Wachstumsmärkten Osteuropa und Asien. So wurde in der vergangenen Woche bekannt, dass Mediamarkt bis zum Sommer dieses Jahres 100 Filialen in China eröffnen will. Nach Berechnungen von Einzelhandelsexperten wird dies den Konzern bis zu 1,5 Milliarden Euro kosten. „Wir werden unser internationales Wachstum nun wieder deutlich beschleunigen“, sagte Cordes am Dienstag.

Ähnlich wie bei Metro scheint auch beim britischen Konkurrenten Tesco – nach Metro der viertgrößte Einzelhändler weltweit – das Weihnachtsgeschäft ganz gut gelaufen zu sein. Tesco verzeichnete in den sechs Wochen bis zum 9. Januar ein Umsatzplus von 4,9 Prozent, ohne Benzinverkäufe und Mehrwertsteuer. Experten waren von etwa drei Prozent ausgegangen. Tesco begründete dies am Dienstag mit der Nachfrage nach höherpreisigen Waren und seinem Treue-Programm. Auch sei die Nachfrage nach Gütern wie Elektronik und Kleidung hoch gewesen.

An diesem Mittwoch will auch Metro-Konkurrent Douglas Zahlen für das abgelaufene Weihnachtsgeschäft vorlegen. Der weltweit zweitgrößte Handelskonzern nach der US-Kette Wal-Mart – die französische Carrefour – öffnet am Donnerstag die Bücher. mit HB/rtr

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