Wirtschaft : Einzelhandel sieht kein Ende der Durststrecke

Umfrage unter Führungskräften: Bis zur Jahrtausendwende bestenfalls Stagnation erwartet / "Überleben" heißt das Ziel DÜSSELDORF (rv/HB).Der deutsche Einzelhandel stellt sich auf eine noch längere Durststrecke ein.Das ermittelte die Kölner BBE-Unternehmensberatung nach Befragung von 171 Führungskräften.91 Prozent der Befragten rechnen damit, daß die Rezession längerfristiger Natur ist.Vor allem die Vertreter der Textilbranche und des Baumarktbereichs blicken sehr pessimistisch in die Zukunft.Optimistischer geben sich die Uhren- und Schmuckhändler. Als Grund für den Pessimismus werden einerseits die politische Entwicklung und andererseits die Zukunftssorgen der Verbraucher genannt.Mit Blick auf die Umsatz- und Gewinnentwicklung bis zum Jahr 2000 erwarten die meisten Händler eine Stagnation.Dabei zeigte sich die Baumarktbranche optimistischer als die Augenoptiker, die nach wie vor unter der Gesundheitsreform zu leiden haben. Immerhin aber glauben 38 Prozent der Einzelhandelsunternehmen, das Geschäftsjahr 1997 mit einer Umsatzsteigerung abschließen zu können.Damit dürften sie die Ausnahme bilden, denn laut Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) hat der Facheinzelhandel in den ersten elf Monaten 1997 ­ gemessen am Vorjahreszeitraum ­ bereits einen Umsatzrückgang von nominal zwei und real drei Prozent hinnehmen müssen.Allein im November gab es ein Minus von nominal fünf Prozent und real knapp sechs Prozent.Besonders schlecht sah es im November für den Schuheinzelhandel aus, der einen Umsatzeinbruch von nominal 17 Prozent erlebte.Zu den Gewinnern zählten nur der Fotoeinzelhandel mit plus 3 Prozent, der Zweiradhandel und die Reformhäuser (jeweils plus ein Prozent).Da auch das Weihnachtsgeschäft eher flau verlief, dürfte die Branche 1997 den Vorjahresumsatz kaum erreichen. Die größten Zukunftsperspektiven unter den verschiedenen Vertriebsformen werden den Fachfilialisten und Fachmärkten eingeräumt.Gleichzeitig befürchten die Handelsmanager immer mehr, daß der mittelständische Fachhandel aufgrund steigender Mieten gute Standorte wird aufgeben müssen.Am ausgeprägtesten ist diese Sorge bei den Vollsortimentern und Textilgeschäften.Die BBE führt das auf die starke Expansion von Fachfilialisten wie Hennes & Mauritz oder Bonita zurück.Mit Blick auf den Standort Innenstadt warnen die Händler vor einer weiteren Verkehrsberuhigung.Die für den Autoverkehr gesperrten Cities würden für die Verbraucher unattraktiv.Um die Unternehmen durch die schwache Konsumkonjunktur zu bringen, setzen die Verantwortlichen bei ihrem Marketing verstärkt auf die Sortimentspolitik im Sinne einer Straffung und Bereinigung, den Erlebniseinkauf, die Aufwertung der Ladengestaltung, die Hochwertigkeit ihres Angebots sowie den Einsatz von EC-Cash und/oder Kreditkarten. Neben der Logistik und den Raumkosten werden noch am ehesten Einsparungschancen im Personalbereich gesehen, allerdings mit abnehmender Tendenz.Gleichzeitig wird aber eine stärkere Identifikation mit dem Unternehmen als wichtigste Maßnahme zur Sicherung des Unternehmenserfolgs betrachtet.Senken lassen sich aus Sicht eines Teils der Befragten noch die Raumkosten (z.B.durch Untervermietung).Die meisten Unternehmen sehen sich in puncto Rationalisierung aber am Ende der Fahnenstange angelangt.Über die Hälfte der Befragten sieht keine weiteren Rationalisierungsmöglichkeiten mehr.Auf die Frage, worin der Einzelhandel die größten Herausforderungen bis zur Jahrtausendwende sieht, kam mit 18 Prozent der Nennungen die Antwort "Überleben" am häufigsten.

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