Wirtschaft : Einzelhandel: Stärkster Umsatz seit Jahren

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Im klassischen Einzelhandel ist wieder mehr Optimismus zu spüren: Die Branche hat im vergangenen Jahr mit einem Zuwachs von real 1,2 Prozent auf 735 Milliarden Mark das höchste Umsatzwachstum seit acht Jahren verbucht. Für dieses Jahr rechnet der Präsident des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE), Hermann Franzen, sogar mit zwei bis 2,5 Prozent. Grund für den Optimismus gibt die höhere Beschäftigung im Land. "Die Nettoeinkommen steigen spürbar - auch durch die Steuerreform", sagt Franzen. Risiken lägen aber in der Weltkonjunktur und und den Energiepreisen. Es sei zu hoffen, dass diese der Branche keinen Strich durch die Rechnung machten. Ausgenommen bei der Prognose des klassischen Einzelhandels sind die Umsätze im Kraftfahrzeughandel, bei Tankstellen und Apotheken.

Nach wie vor sind im Einzelhandel allerdings die Gewinne unter Druck: Die Euroeinführung, das Betriebsverfassungsgesetz und das geplante Zwangspfand auf Einweggetränkeverpackungen nagten an den ohnehin niedrigen Renditen, sagte Verbandspräsident Franzen. Die Ergebnisprognose für dieses Jahr könne deshalb nur "Stagnation auf niedrigstem Niveau" lauten. Konkret heißt dies 0 bis 0,5 Prozent Umsatzrendite für den Lebensmittel-Einzelhandel und drei bis vier Prozent für den so genannten Non-Food-Bereich. Der harte Wettbewerb im Einzelhandel werde auch 2001 dazu führen, dass die Preise wieder deutlich unter der allgemein Preissteigerung liegen. Im Jahr 2000 nahmen sie um 0,4 Prozent zu, die Inflation lag bei 1,9 Prozent.

Grafik:
Einzelhandelsumsatz 1995 - 2000

Was die Euro-Einführung betreffe, so sei die Branche gut gewappnet. Allerdings seien die Kosten kein Pappenstil, die Umstellung werde mit acht bis zehn Milliarden Mark zu Buche schlagen. Franzen fordert deshalb die gleichen Vergünstigungen, die die Bundesbank auch den Banken gewährt: Wenn eine Bank einen Bonus beim Umtausch in Euro bekäme, müsse dies auch für den Einzelhandel gelten.

Heftige Kritik äußerte Franzen am geplanten Zwangspfand auf Einweggetränkeverpackungen. "Das Pfand wäre eine Katastrophe für den Handel", sagte Franzen. Der Verband werde vehement dagegen vorgehen. Das Zwangspfand werde Handel und Verbraucher nicht nur teuer zu stehen kommen - allein rund 2,6 Milliarden Mark kosteten die Rücknahmeautomaten - auch der Schutz der Umwelt sei nicht gegeben. Denn viele Händler würden aus Platz- und Kostengründen verstärkt auf Getränke in Einwegverpackungen setzen. Das umweltfreundliche Mehrwegsystem gerate damit ins Hintertreffen. "Noch ist die Schlacht nicht verloren", gab sich Franzen zuversichtlich.

Weitere Belastungen fürchtet der Einzelhandel auch durch die Reform des Betriebsverfassungsgesetzes: Dies gelte vor allem für die geplante Absenkung der Schwellenwerte für die Freistellung von Betriebsräten. Sie sollten so bleiben, wie sie sind.

Nicht hinnehmen will der Verband den geplanten Wegfall des Rabattgesetzes und der Zugabeverordnung: Der HDE will sich vor allem dafür einsetzen, dass das Kartellrecht auch künftig den Wettbewerb vor dem missbräuchlichen Einsatz von Rabatten und Zugaben schützen und die Märkte offen halten werde. Dabei gehe es vor allem um das Verdrängungspotenzial von Kundenbindungssystemen. Es könne nicht angehen, dass bestimmte Rabatte erst ab einer bestimmten Umsatzgröße gewährt würden. Großunternehmen mit einer breiten Angebotspallette verdrängten hier zwangsläufig kleinere Unternehmen.

Außerdem sollte auch künftig ein Mindestmaß an Preistransparenz erhalten bleiben. Deshalb sollten die Verbraucher weiterhin über Art, Umfang und Wert einer angekündigten Vergünstigung und über die Voraussetzungen, unter denen sie gewährt wird, informiert werden.

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