Wirtschaft : Einzelhandel: Trübe Aussichten

Trotz des gut angelaufenen Sommerschlussverkaufs sind die Aussichten im Einzelhandel weiterhin trübe. Der Wegfall des Rabattgesetzes werde den Preiskampf in der Branche verschärfen und Arbeitsplätze kosten, fürchtet die Gewerkschaft Verdi. Dem Einzelhandelsverband zufolge ist außerdem die Zunahme der Kundenkarten eine Gefahr für kleinere Läden. Die stagnierenden Erträge werden zudem die Investitionen der Märkte zurückgehen lassen, erwartet das Ifo-Institut.

Mit dem Beginn des Sommerschlussverkaufs waren die meisten Händler zufrieden. Es habe Preisnachlässe von bis zu 70 Prozent gegeben, hieß es. Vor allem der Textilhandel hatte bislang wegen des schlechten Wetters über ein dürftiges Sommergeschäft geklagt. Sieben von zehn Händlern rechnen nach einer Umfrage des Hauptverbandes des deutschen Einzelhandels (HDE) mit höheren Umsätzen als im Jahr 2000. Die Verbraucherzentralen regten dennoch an, den Schlussverkauf abzuschaffen. Nach dem Wegfall des Rabattgesetzes sei es zweifelhaft, ob ein nur zwei Wochen dauernder Schlussverkauf noch Sinn mache.

Seit Mittwoch vergangener Wochen sind das Rabattgesetz und die Zugabeverordnung aufgehoben. Kunden können nun beim Einkauf bessere Preise aushandeln, Händler dürfen Kunden mit Geschenken locken. Dies werde zu einem verschärften Preiskampf führen, sagte Verdi-Vorstand Franziska Wietold. Dieser werde den Konzentrationsprozess in der Branche beschleunigen und Jobs im Mittelstand kosten. Die Gewerkschafterin forderte von der Politik einen besseren Schutz kleinerer Anbieter wie ein Verkaufsverbot für Waren unter dem Einstandspreis. Der HDE befürchtet eine Sogwirkung durch die Kundenkarten der großen Ketten. "Bisher ging alles über den Preiskampf. Jetzt haben wir ein neues Spielfeld", sagte der Vize-HDE-Chef Stefan Schneider. Wenn die Kunden nur noch ihren Kartenbonus im Kopf hätten, könnte dies dazu führen, dass die Fachhändler Einbußen erlitten.

Auch das Münchner Ifo-Institut erwartet einen weiteren Stellenabbau im Handel. Der Umsatz werde entgegen früherer Hoffnungen nominal nur um 1,5 Prozent zulegen, berichtete das Institut am Montag. Zusammen mit der Inflationsrate bedeute dies eine reale Stagnation der Erlöse. Ursache der Flaute seien die hohen Energiepreise, die zu Lasten der Kaufkraft gingen. Die Betriebe reagieren auf die Flaute mit Ausgabensenkungen. Die Investitionen gehen in diesem Jahr um zwei Prozent auf 23,5 Milliarden Mark zurück. Der Druck auf die Erträge könne zu weiteren Schließungen von Standorten führen. Angesichts der schwierigen Branchenlage setzen die Unternehmen Ifo zufolge zunehmend auf Expansion im Ausland. Hier seien höhere Renditen zu erzielen.

Entgegen dem Branchentrend wollen Europas führende Elektromärkte Saturn und Media-Markt 2001 mehr als 1000 Jobs in Deutschland schaffen. Einschließlich neuer Filialen im Ausland kommen bei den Metro-Töchtern 3000 Arbeitsplätze hinzu, sagte ein Sprecher. Die Märkte, die 19 000 Beschäftigte zählen, wollten weiter wachsen.

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