Einzelhandel : Verdi will Warnstreiks ausweiten

Die Gewerkschaft Verdi will im Tarifstreit im Einzelhandel häufiger in Warnstreik treten. In den einzelnen Tarifbezirken hatte es zahlreiche Gespräche ohne Annäherung gegeben. Der Arbeitgeberverband rechnet nicht mit flächendeckenden Streiks.

Berlin/Frankfurt/MainBeim Tarifstreit im Einzelhandel hat die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi eine schärfere Gangart angekündigt. Verdi werde die Streiks "mit Sicherheit ausweiten - zum einen wird es mehrtägige Streiks geben, zum anderen auf Stunden begrenzte", sagte Verdi-Vizechefin Margret Mönig-Raane der "Berliner Zeitung". Verdi fordert für die 2,6 Millionen Beschäftigten in den einzelnen Tarifbezirken zwischen 4,5 bis 6,5 Prozent Lohnerhöhungen. In den zahlreichen Gesprächsrunden in den einzelnen Tarifbezirken gab es bisher keine Annäherung. Zu flächendeckenden Streiks wird es nach Erwartung des Einzelhandelsverbandes HDE aber nicht kommen.

Mönig-Raane forderte die Unternehmerseite auf, "endlich ein Angebot auf den Tisch zu legen". Die Arbeitgeber würden ihren Beschäftigten "keinen Cent mehr im Portmonee" gönnen, aber erwarteten, "dass wir mit ihnen darüber reden, wie Lohnerhöhungen bezahlt werden können - zum Beispiel durch die Streichung von Zuschlägen." Erst dann wollten sie ein Angebot machen, sagte sie der "Berliner Zeitung". Dass der Branchenumsatz laut Statistik derzeit real nicht steige, bedeute nicht, dass die Unternehmen keine Gewinne machten. Die Beschäftigten im Einzelhandel hätten in den letzten Jahren nur sehr magere Lohnzuwächse gehabt. "Das muss jetzt endlich ein Ende haben. Wir finanzieren nicht den mörderischen Wettbewerb im Einzelhandel mit dem Einkommen der Beschäftigten."

HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth sagte in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vom Donnerstag, die Positionen lägen "noch viel zu weit auseinander". Ein schneller Durchbruch in den Sommermonaten sei "leider unwahrscheinlich". Forderungen nach 6,5 Prozent mehr Lohn seien in der Branche "wirtschaftlich überhaupt nicht darstellbar". Der geforderte Mindestlohn würde einem Stundenlohn von mindestens 9,20 Euro entsprechen. "Wenn wir das zahlen müssten, käme es zu einer Preiswelle im Handel." Der Handel rechnet laut Genth nicht damit, "dass wir große flächendeckende Streiks bekommen". Dafür sei der gewerkschaftliche Organisationsgrad im Einzelhandel nicht groß genug. "Einige gezielte Streikaktionen" werde es aber wohl geben. (mit AFP)

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