• Einzelhandel weist Vorwurf der Preistreiberei zurück Verbraucherschützer fordern doppelte Preisauszeichnung

Wirtschaft : Einzelhandel weist Vorwurf der Preistreiberei zurück Verbraucherschützer fordern doppelte Preisauszeichnung

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Hamburg (dpa). Der Einzelhandel hat sich vor dem von Verbraucherministerin Renate Künast einberufenen „Teuro-Gipfel“ massiv gegen Vorwürfe aus der Politik gewehrt, er habe die Euro-Umstellung zu umfassenden Preissteigerungen genutzt. „Man kann nicht eine ganze Branche für einzelne schwarze Schafe und Preiserhöhungen in anderen Wirtschaftszweigen an den Pranger stellen“, schreibt der Präsident des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE) Hermann Franzen in einem Gastbeitrag für „Bild am Sonntag“. In Wirklichkeit habe es „nie so viele Sonderangebote, Rabattaktionen und Dauer-Preissenkungen gegeben wie in diesem Jahr“, äußerte Franzen. „Die wenigen Preiserhöhungen fallen dagegen kaum ins Gewicht.“ Wer genau nachrechne, werde feststellen, dass er „noch nie so günstig einkaufen konnte wie jetzt“. Boykottaufrufe von Regierungsmitgliedern in Sachen Euro nannte Franzen „unverantwortlich“.

Verbraucherministerin Renate Künast hat für kommenden Freitag zu einem „Anti-Teuro-Gipfel“ eingeladen, bei dem ein „konkretes Werkzeug“ gegen Preistreiber gefunden werden soll. Nach der Umstellung auf die neue Währung sei es zu teils „unverschämten“ Preiserhöhungen gekommen, hatte Künast am Freitag erklärt.

Unterdessen hat die Vorsitzende des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, Edda Müller, eine Rückkehr zur doppelten Preisauszeichnung vorgeschlagen. Der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sagte sie, angesichts der Verunsicherung und der allgemeinen Kaufenthaltung seien vertrauensbildende Maßnahmen notwendig. „Dazu sollte die Rücknahme überdrehter Preise ebenso gehören wie eine zeitlich befristete Rückkehr zur doppelten Preisauszeichnung“ in Euro und D-Mark, sagte Müller weiter.

Nach ihrer Ansicht hat die Aussage, der „Euro sei ein Teuro“, für den Dienstleistungsbereich eine gewisse Berechtigung. Aber „von einer generellen Verteuerung im gesamten Einzelhandel zu sprechen, lässt sich jedenfalls durch unsere Untersuchungen nicht belegen“, stellte Müller fest.

HDE-Hauptgeschäftsführer Holger Wenzel begrüßte im Info-Radio Berlin Brandenburg den „Teuro-Gipfel“. Künast müsse aber auch in den eigenen Reihen nach Schuldigen suchen. Er hoffe, sie lade Arbeitsminister Riester und Finanzminister Eichel ein, „das sind nämlich im Gegensatz zum Einzelhandel zwei ganz schöne Preistreiber“.

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