Wirtschaft : Einzelhandel zeigt wieder leichte Zuversicht

BERLIN (chi).Im deutschen Einzelhandel zeichnet sich im siebten Jahr der Durststrecke offenbar die Wende zum Guten ab.Zwar berichtet der Hauptverband des deutschen Einzelhandels (HDE) von einem neuerlichen Umsatzrückgang von nominal 0,4 Prozent im ersten Halbjahr, die Sommermonate aber wiesen bereits Zuwächse auf.Sollten sich auch die Erwartungen für das Weihnachtsgeschäft realisieren, könnte die Bilanz des Gesamtjahres für die Branche sogar erstmals wieder ein "kleines nominales Plus" aufweisen, sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Holger Wenzel bei der Bekanntgabe der traditionellen Konjunkturumfrage am Mittwoch in Berlin."Groß ist der Optimismus im Einzelhandel gegenwärtig noch nicht, aber das Pflänzchen Hoffnung keimt", bilanzierte er.Für 1999 erwartet der HDE ein nominales Plus von 1,5 Prozent - vorausgesetzt, wie Wenzel betonte, "daß nach den Wahlen die Steuerreform angeschoben wird und eine Mehrwertsteuererhöhung ausbleibt".

Auch beim Beschäftigungsabbau sieht Wenzel "das Ende der Fahnenstange." Allerdings werden 1998 nochmal "unter ein Prozent der Stellen" wegfallen.Das sei deutlich weniger als in den vergangenen Jahren, betonte Wenzel, bedeutet in absoluten Zahlen aber noch immer ein Minus von knapp 30 000 Arbeitsplätzen.Und: Auch das Ladensterben geht weiter.Im ersten Halbjahr traten gut 1500 Einzelhändler den Weg zum Konkursrichter an, und das ist laut Wenzel "nur die Spitze des Eisberges".Nicht berücksichtig ist dabei die große Zahl der Geschäftsaufgaben wegen zu hoher Mieten, geringen Erträgen oder fehlenden Nachfolgern."Im Einzelhandel wird leise gestorben", sagte der Verbandssprecher.

Die aktuelle Umfrage bei den Mitgliedsunternehmen zeigt allerdings, daß nicht alle in gleichem Maße von der Entwicklung profitieren.Zu den Umsatzgewinnern zählen in erster Linie die Discounter und die Filialbetriebe, Verlierer waren dagegen die Warenhäuser und Fachgeschäfte.Gleiches gilt für Standorte.Zuwächse gab es vor allem in Sonder- und Gewerbegebieten.Anders sieht die Lage jedoch bei den Gewinnen aus: Nicht die Umsatzspitzenreiter hatten da die Nase vorn, sondern die "local heroes" aus dem Mittelfeld, gut geführte selbständige Betriebe, Fach- und Supermärkte.

Auffällig ist zudem, daß es bei der Entwicklung kaum noch Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland gibt.Zwar gebe es Unterschiede bei den Betriebsgrößen und der Kapitalausstattung, bei der Umsatzentwicklung aber hätten die Betriebe in Ostdeutschland "nur unwesentlich schwächer abgeschnitten", sagte der Präsident des Gesamtverbandes des Einzelhandels Berlin und HDE-Vizepräsident, Bernd Rückert.Nur "die Ränder" seien stärker ausgeprägt seien, die Zahl der Betriebe mit hohen Zuwächsen oder Verlusten bei Umsatz oder Gewinn war jeweils größer als im Westen.

Eindringlich mahnte der Verband allerdings, die "zarte Hoffnung" nicht im Keim zu ersticken.Die jüngste Diskussion über eine mögliche Erhöhung der Mehrwertsteuer nach den Wahlen habe in der Branche "einen empfindlichen Nerv" getroffen.Die Mehrwertsteuererhöhung im April dieses Jahres hätten nur acht Prozent der Einzelhändler voll auf die Preise aufschlagen können, manche hätten sie auch durch weiteren Druck auf ihre Einkaufspreise kompensiert.Die Verbraucher hätten allerdings "viel gelassener reagiert" als erwartet, sagte Wenzel.78 Prozent hätten die Preiserhöhungen mehr oder weniger klaglos geschluckt.

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