Wirtschaft : Electrolux schließt Nürnberger AEG-Werk

Konzern verlagert Produktion bis Ende 2007 nach Italien und Polen / Mitarbeiter wollen streiken

Bernd Hops

Berlin - Für das AEG-Werk in Nürnberg gibt es keine Hoffnung mehr. Der schwedische Electrolux-Konzern teilte am Montag mit, es gebe keine Möglichkeit mehr, die dortige Produktion zu erhalten. Nach sechsmonatiger Prüfung sehe man keinen Weg, wie die nötige Profitabilität erreicht werden könne. Von der Werksschließung, die Ende 2007 abgeschlossen sein soll, sind etwa 1750 Beschäftigte betroffen. Auf einer Betriebsversammlung wurde die Belegschaft über die Entscheidung informiert. Die Beschäftigten reagierten mit Buhrufen und Pfiffen – und warfen mit Gegenständen nach den angereisten Electrolux-Managern. Die Mitarbeiter kündigten Streiks an.

Von Gewerkschaftsseite waren dem Konzern zu hohe Renditeerwartungen und Managementfehler vorgeworfen worden. Der IG-Metall-Vize der Region, Jürgen Wechsler, sagte Electrolux-Chef Hans Straberg habe den Standort schon immer „killen“ wollen. Die Hausgeräteproduktion von AEG gehört seit 1994 zu Electrolux. Der Konzern führt außerdem Marken wie Zanussi und Frigidaire. In Nürnberg werden Waschmaschinen, Geschirrspüler und Trockner hergestellt. Electrolux hatte weltweit zuletzt gut 72 000 Mitarbeiter – rund 15 000 weniger als noch im Jahr 2000. Allerdings leidet der Konzern unter einem starken Preisverfall bei seinen Produkten und rückläufigen Umsätzen – und will mit der weiteren Verlagerung der Fertigung aus Hochlohn- in Niedriglohnländer reagieren. Am Montag beschloss Electrolux nicht nur die Schließung des Nürnberger Werks, sondern gab auch bekannt, dass die schwedische Fabrik in Torsvik mit 190 Mitarbeitern auf den Prüfstand gestellt wird.

Nicht gefährdet ist bisher die Herstellung von Einbauherden in Rothenburg ob der Tauber, weil hier der Preisrückgang nicht so dramatisch ist.

Im vergangenen Jahr wurde der Bau von zwei polnischen Waschmaschinen- und Geschirrspülerwerken beschlossen. Die Nürnberger Produktion übernehmen nun auch in Zukunft Werke in Polen und Italien. Der Konzern rechnet mit Kosten von 2,3 Milliarden schwedischen Kronen (254 Millionen Euro) für die Schließung. Über einen Sozialplan soll nun verhandelt werden. Bis Mitte 2006 sind Entlassungen außerdem bisher dank einer Betriebsvereinbarung ausgeschlossen.

Betriebsrat und IG Metall hatten bis zuletzt versucht, eine Lösung für das Werk zu finden. Im November wurde dem Konzern ein Sanierungspaket präsentiert. Rund ein Drittel der Stellen sollten demnach abgebaut werden. Als Voraussetzung wurden aber Investitionen und eine Standortgarantie bis zum Jahr 2010 genannt.

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