Elektro-Handelsmarke : Otto bleibt auf Privileg sitzen

Mit dem Kauf der weit verbreiteten ehemaligen Quelle-Marke wollte Media-Saturn in ein neues Segment einsteigen. Doch nun ist das Geschäft geplatzt.

Christoph Schlautmann

Düsseldorf - Metros Elektronikfachmärkte Media-Markt und Saturn kommen beim geplanten Zugriff auf die Elektrohandelsmarke Privileg nicht zum Zug. „Die Verhandlungen sind geplatzt“, erfuhr das „Handelsblatt“ aus Kreisen des Versandhändlers Otto. „Media-Saturn ist definitiv raus aus dem Deal.“

Erst Anfang November 2009 hatte sich Otto-Vorstandschef Hans-Otto Schrader in einem Bieterverfahren durchgesetzt und von Arcandor-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg die Markenrechte der Pleitefirma Quelle ersteigert. Für einen angeblich zweistelligen Millionenbetrag sicherte er sich gleichzeitig Quelles Russland-Geschäft mit 280 Mitarbeitern sowie Quelles prominenten Hausgerätenamen Privileg. Den aber offerierte er bereits wenig später zum Weiterverkauf.

In den Tagen kurz vor Weihnachten trafen sich Spitzenmanager von Otto und Media-Saturn zu Verkaufsverhandlungen, eine Einigung aber fanden sie nicht. Die Metro-Tochter sei unwillig gewesen, den geforderten Kaufpreis – einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag – zu zahlen, hieß es in Verhandlungskreisen. Für einen geringeren Betrag aber wollte Otto die Marke Privileg nicht abgeben. Schon in den vergangenen Jahren stand Ottos eigene Elektromarke Hanseatic stets im Schatten von Privileg. Einer aktuellen Studie von Burda zufolge besitzen derzeit immerhin 30,8 Prozent aller Deutschen ein Privileg-Haushaltsgerät. Bei Waschmaschinen, Wäschetrocknern und Elektroherden sieht das Marktforschungsinstitut GfK die meist von Electrolux gefertigten Privileg-Geräte sogar als Marktführer. Gleiches gilt für Mikrowellen, Nähmaschinen und Kühlschränke. Hanseatic schaffte es bislang nicht einmal in jeden zehnten deutschen Haushalt.

Erste Berichte über das Interesse von Media-Saturn an Privileg hatten unter Elektroherstellern für Aufregung gesorgt. Bislang nämlich verzichtet Deutschlands größter Elektronikverkäufer weitgehend auf das margenträchtige Geschäft mit Eigenmarken und stellt lieber Geräte von Bosch, Sony oder Bauknecht in die Regale. Dass nun die Ingolstädter Metro-Tochter überlegt, Geräte in Eigenregie produzieren zu lassen, dürfte vor allem B-Marken-Herstellern wie Whirlpool oder Gorenje übel aufstoßen. Ihre Geräte wären wohl die ersten, die einer Eigenmarke weichen müssten. Ein Sprecher der Metro-Tochter wollte sich dazu nicht äußern.

Zu erwarten ist, dass sich nun weitere Elektrohändler um Privileg bemühen werden. Eine Entscheidung über das Quelle-Erbe soll aber frühestens Ende Januar fallen, sagte ein Otto-Sprecher. Man wolle erst die Freigabe durch die europäischen Wettbewerbsbehörden abwarten. Otto spielt nun mit dem Gedanken, Privileg zunächst selbst zu nutzen – oder kleineren Händlern als Lizenz zur Verfügung zu stellen.

Verkäufe von Handelsmarken dieser Größenordnung sind in anderen Ländern gang und gäbe. In Großbritannien etwa vertreibt die Apothekenkette Boots seit 1999 Kosmetikprodukte des Modehändlers French Connection unter dessen Namen. Deutsche Händler hatten mit dem Kauf solcher Nutzungsrechte dagegen selten Glück. Mitte der 90er Jahre versuchte sich Karstadt mit dem Kauf der Pleitemarke Dual. Doch die Essener Händler scheiterten kläglich. Heute gehört dem insolventen Warenhauskonzern nicht einmal mehr die eigene Marke Karstadt – sie wurde an die Banken verpfändet. HB

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