Elektroauto : In Zukunft an die Steckdose

VW und das Umweltministerium fördern gemeinsam das Elektroauto. VW-Chef Winterkorn räumt ein, damit ziemlich spät auf den Markt zu kommen.

Alfons Frese
Elektroauto
Wo kommt der Stecker rein? Eon-Energie-Chef Maubach, Umweltminister Gabriel und VW-Chef Winterkorn -Foto: Keystone

BerlinDer Minister warf „einen Blick in die Zukunft“. In gut zehn Jahren, so meinte Sigmar Gabriel am Donnerstag, würden eine Million Elektroautos in Deutschland fahren, 2030 schon zehn Millionen. Die Prognose verkündete der Umweltminister am passenden Ort, im Autoforum von Volkswagen in Berlin-Mitte, ein paar Meter neben einem Bugatti Veyron, mit 1001 PS und einen Stückpreis von einer Million Euro das verrückteste Auto der Welt. VW-Chef Martin Winterkorn hatte Gabriel am Donnerstag eingeladen zur Vorstellung des „TwinDrive“, ein Elektroauto mit Verbrennungsmotor.

Im Unterschied zu einem normalen Hybrid-Antrieb, bei dem ein Elektromotor den Benzin- oder Dieselmotor ergänzt, ist es hier umgekehrt. Das Ergebnis: 2,5 Liter auf 100 Kilometer oder acht Kilowattstunden Strom verbraucht der 170-PS-Motor. Winterkorn, Chef von Europas größtem Autohersteller: „Die Zukunft gehört den Elektromotoren, betankt an der Steckdose.“

45 Millionen Euro kostet der „Flottenversuch Elektromobilität“, in dessen Rahmen in den kommenden Jahren jeweils zehn „TwinDrives“ in Berlin und Wolfsburg einem Langzeittest unterzogen werden. Ein Drittel der Kosten trägt das Umweltministerium als Initiator des Projekts. Teilnehmer sind diverse Forschungseinrichtungen, der Energieversorger Eon sowie GAIA und Evonik/Li-Tech für die Batterien. In dem am Donnerstag vorgestellten Auto war eine Batterie für gut 10 000 Euro eingebaut. Erst wenn es bei Größe, Leistung, Sicherheit und Preis des Speichermediums deutliche Forschritte gibt, wird das Elektroauto serienreif. „Die leistungsfähige Lithium-Ionen-Batterie ist der Knackpunkt“, sagte VW-Chef Winterkorn.

Klaus-Dieter Maubach, Vorstandsvorsitzender von Eon Energie, betonte die wechselseitige Ergänzung von Elektroautos und regenerativer Energien, vor allem der Windkraft, die in Deutschland das größte Potenzial der Erneuerbaren hat. Den Schwankungen des Windes und entsprechend der Stromausbeute „könnten wir einen millionenfachen Speicher entgegensetzen“, meinte Maubach. Grob gesagt: Wenn es sehr windig ist, wäre es ideal, die Autos aufzuladen. Durch entsprechende Tarife/Anreize könnte das womöglich gesteuert werden. Die erforderliche Infrastruktur sei simpel: Steckdosen. Nach und nach müssen Parkplätze und -häuser ausgerüstet werden. VW-Chef Winterkorn räumte ein, mit Elektroautos ziemlich spät auf den Markt zu kommen. „Doch wenn wir kommen, dann kommen wir richtig und zuverlässig.“

Einen Schwerpunkt zu alternativen Antrieben gibt es in der Sonnabendausgabe.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben