Elektroautos : BMW setzt auf Berlin

Die weltweit 30 ersten Elektro-BMWs wurden am Donnerstag für einen Berliner Feldversuch an ausgewählte Nutzer übergeben.

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Unter Strom. Das Elektroauto i3 soll 2013 auf den Markt kommen.
Unter Strom. Das Elektroauto i3 soll 2013 auf den Markt kommen.Foto: dpa

Berlin - Dass Deutschland ein Autoland bleiben soll, wurde gleich zu Beginn klar, als selbst der Vertreter des Bundesumweltministeriums von den rasanten Ampelstarts schwärmte, die mit einem Elektroantrieb möglich sind. Die weltweit 30 ersten Elektro-BMWs wurden am Donnerstag für einen Berliner Feldversuch an ausgewählte Nutzer übergeben, und das Drehmoment der 170-PS-Motoren sorgte für den meisten Gesprächsstoff. „An der Ampel gucken die Porsche-Fahrer ganz dumm“, berichtete einer der Testnutzer, der auch schon beim Mini-E-Feldversuch dabei gewesen war.

Für BMW beginnt mit der Übergabe des weißen 1er-Modells, das wegen der großen Batterie eine Hutze auf der vorderen Haube trägt, die letzte Phase, bevor es an die Serienproduktion geht. Denn 2013 soll ein neues Modell mit leichter Kohlefaserkarosserie und einer Reichweite von 130 bis 160 Kilometern kommen. Um die 40 000 Euro soll der i3 kosten. Der Feldversuch in Berlin, an dem auch Siemens und Vattenfall mitwirken, dient dazu, Komponenten zu testen und Kundenbedürfnisse zu erforschen. Bei den Mini-E-Nutzern war herausgekommen, dass 90 Prozent die Reichweite für ausreichend halten. Eine große Umfrage, die der Zulieferer Continental am Donnerstag vorlegte, kommt zu einem anderen Ergebnis. Demnach sagen fast drei Viertel der Autofahrer in Deutschland, es würde sie „sehr stören“, wenn sie ihren Wagen alle 150 Kilometer beladen oder betanken müssten. Befragt wurden jeweils rund 1000 Autofahrer in Deutschland, Frankreich, den USA und China sowie Erwachsene unter 35 Jahren in zehn Metropolen der Welt, darunter Berlin. Als wichtigste Voraussetzung für den Kauf eines Elektroautos nennen die Autofahrer aller Länder den Preis und wünschen sich daher vom Staat Steuerermäßigungen, Prämien und Zuschüsse. Denn noch liegen die Preise 10 000 Euro und mehr über denen herkömmlicher Autos.

Conti-Chef Elmar Degenhart sieht zwar durchaus ein Kundeninteresse an Elektroautos. „Allerdings erwarten die Verbraucher bezahlbare, alltagstaugliche Mittelklassefahrzeuge mit ausgereifter Technik und akzeptablem Komfort.“ Die Bundesregierung will ohne Kaufprämien erreichen, dass 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen fahren. Aktuell sind hierzulande mehr als 42 Millionen Pkw zugelassen.

Eine neue Studie der TU Berlin unterscheidet zwischen der großen Mehrheit der „Substitutionsnutzer“, die Elektroautos nüchtern als Ersatz herkömmlicher Fahrzeuge sieht, und der verschwindend kleinen Gruppe der „Innovationsnutzer“, die sich als Pioniere fühlen. Befragt wurden 36 gewerbliche Nutzer von Elektroautos in Berlin und Nordrhein-Westfalen. Akzeptanz muss also nicht Kaufbereitschaft auslösen, wie TU-Professorin Christine Ahrend aus den Ergebnissen folgert: „Das eine zieht das andere nicht zwangsläufig nach sich.“

Die BMW-Tester sind wohl eher „Innovationsnutzer“. Denn dass sie mitmachen dürfen, müssen sie teuer bezahlen: Privatleute stellen eine Hälfte der 30 Testpersonen und zahlen jeweils monatlich 650 Euro, und die gewerblichen Nutzer sogar 950 Euro. Von Berlin gehen die Autos nach London und dann wahrscheinlich wieder zurück nach Berlin. Denn der bayerische Hersteller setzt darauf, dass Berlin im kommenden Jahr eines der drei bis fünf nationalen Schaufenster wird, die der Bund mit insgesamt 180 Millionen Euro fördern will. Die Ausschreibung ist gerade angelaufen. „Ich glaube, dass Berlin eine große Chance hat“, sagte ein BMW-Vertreter.

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