Elektroautos : Italiener unter Strom

Der Hamburger Händler Karabag verkauft den Fiat 500 als teures Elektroauto – die Nachfrage ist groß.

Thomas Magenheim

München - Elektroautos sind auf Deutschlands Straßen noch eine echte Rarität. Das Kraftfahrtbundesamt zählt aktuell knapp 1600 zugelassene Fahrzeuge, die von Batterien und Elektromotoren angetrieben werden. Eine verschwindend kleine Zahl, gemessen an insgesamt knapp 42 Millionen zugelassenen Pkws.

Wer sich statt eines Autos mit Verbrennungsmotor einen reinen Stromer zulegen will, hat wenig Auswahl. Abgesehen von Hybridfahrzeugen mit zusätzlichem Verbrennungsmotor bietet sich zum Beispiel der 100 000 Euro teure US-Flitzer Tesla an. Für rund die Hälfte des Preises bietet ein Hamburger Hersteller einen elektrifizierten Fiat 500 an. Der Kleinwagen heißt eigentlich Karabag 500e. Der Fiat- Nutzfahrzeughändler Sirri Karabag hat ihn nach sich selbst benannt. „Erst war es nur ein Gag, aber dann brachen alle Dämme“, sagt Karabag.

Rund 100 Elektro-Fiat seien bislang ausgeliefert, 750 Stück sollen bis Ende des Jahres verkauft sein. Um diese Kapazität zu bewältigen, werden die Fiat 500 jetzt auch in Hamburg elektrifiziert. Er habe wegen der starken Nachfrage vor Ort aufrüsten müssen, weil sein italienischer Umbaupartner Micro Vett an Grenzen gestoßen sei, sagt Karabag und erzählt eine ungewöhnliche Geschichte.

Bis vor zwei Jahren war er ausschließlich Fiat-Nutzfahrzeughändler, Deutschlands größter. Dann sei bei der Internationalen Autoausstellung für Nutzfahrzeuge die Idee entstanden, für den deutschen Markt Fiat-Kleinlaster mit Elektromotoren zu bestücken. Das übernahm Micro Vett in Imola. Und so wurde Karabag zum Generalimporteur für kleine Elektro-Lkw.

Stadtwerke, Energieversorger und andere große Flottenbetreiber zeigten großes Interesse. Doch es gab ein Problem: Durch den Umbau zum Elektromobil war die Fiat-Werksgarantie erloschen. „Fiat hatte nichts organisiert“, sagt Karabag. Er musste selbst für eine neue Garantie nebst Straßenzulassung sorgen. Partner wurden der Münchner Tüv-Süd und dessen Tochter Tüv Hanse sowie der Mobilitätsdienstleister Europ Assistance.

Was bei einem Kleinlaster funktioniert, sollte auch bei einem Fiat 500 klappen, sagte sich Karabag und ging einen Schritt weiter in den Pkw-Bereich. Auch der Tüv musste dabei Neuland betreten. Denn eigene technische Normen für die Hochvolt-Technologie existieren noch nicht, erklärt ein Firmensprecher. Über allgemeine Prüfnormen habe man sich in die Materie vortasten müssen, bis die deutsche Straßenzulassung stand. Über 100 Änderungen habe ihm der Tüv abgerungen, erinnert sich Karabag. Am Ende stand ein Gefährt, das einen stolzen Preis hat. Knapp 50 000 Euro kostet ein 500e. Rund 20 000 Euro entfallen allein auf die Batterie, die an einem herkömmlichen Hausanschluss oder einer Stromtankstelle aufgeladen werden kann. Zum Vergleich: Für einen normalen Fiat 500 zahlt man 15 000 Euro in der Basisausstattung.

Der große Preisunterschied schreckt bislang jedoch kaum ab. Der Mittelständler verkauft seine E-Autos mit 140 Kilometer Reichweite nur an Firmenkunden, die damit ihr grünes Image demonstrieren oder die Elektromobilität testen wollen. Ein Abnehmer ist der Autovermieter Sixt. Beginnend in Essen, will er den 500e in den kommenden Monaten auch in München, Hamburg, Dresden und Berlin an jedermann vermieten. „In Essen ist die Resonanz groß, die Leute sind neugierig, und mit leerer Batterie liegen geblieben ist noch keiner“, sagt ein Sixt-Sprecher. Im Karabag-Navigationssystem seien alle Ladestationen einer Stadt gespeichert und es gebe bei der Anmietung eine kurze Einführung in die neue Technik.

Mieten soll aber nicht die einzige Möglichkeit für Normalverbraucher bleiben, um an einen 500e zu kommen. Bis Herbst hoffe er, an jedermann verkaufen zu können, sagt Karabag. Dann wollen aber auch die ersten großen Autohersteller wie Mitsubishi mit eigenen Elektro-Serienmodellen auf den deutschen Markt kommen. Der Hamburger Geschäftsmann glaubt nicht, dass die Autokonzerne ihre Termine halten können. „Die haben es verpennt“, sagt er und glaubt, neben Tesla noch einige Zeit ein Monopol für Elektroautos auf deutschen Straßen zu haben.

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