Elektroautos : Japaner wollen als Erste in deutschen Markt starten

Nicht Daimler, nicht BMW, nicht VW, nicht Opel: Die ersten Elektroautos auf dem deutschen Markt werden aus Japan kommen - noch 2010. Deutsche Hersteller können da nicht mithalten.

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Die Zukunft hat begonnen. Nissan-Vorstand Toshiyuki Shiga präsentiert den elektrischen Leaf. -Foto: AFP

Berlin - Die ersten Elektroautos für den privaten Massenmarkt kommen aus Japan. Der Hersteller Nissan kündigte am Dienstag an, im Dezember würden die ersten Fahrzeuge vom Typ „Leaf“ (Blatt) in Japan ausgeliefert. Für umgerechnet 30 200 Euro (ohne staatliche Subventionen) soll das gemeinsam mit Renault entwickelte Auto zu haben sein. Bis März 2011 will Nissan 6000 Modelle verkaufen. Auch deutsche Kunden sollen in den kommenden zwölf Monaten das Auto kaufen können. Die „Leaf“-Vermarktung außerhalb Japans starte noch vor März 2011.

Die Japaner sind damit Vorreiter bei der Markteinführung von reinen E-Autos, die an normalen Steckdosen aufgeladen werden können. Nissan ist der dritte japanische Autohersteller, der serienreife Elektroautos baut. Mitsubishi und Fuji Heavy, eine Marke von Subaru, bauen Fahrzeuge allerdings nur in Kleinserie. Mitsubishi kündigte am Dienstag in Reaktion auf Nissans Preisangabe für den „Leaf“ an, sein batteriebetriebenes Fahrzeug „iMiev“ für nur noch 32 000 statt der geplanten 38 000 Euro verkaufen zu wollen. Der Wettbewerb ist damit eröffnet. Noch Ende 2010 will Mitsubishi in Kooperation mit PSA Peugeot Citroën den „iMiev“ in Deutschland verkaufen.

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Mitsubishi will noch 2010 den iMiev in Deutschland verkaufen. -Foto: AFP


Der Wettbewerber Toyota setzt vorerst auf deutlich preiswertere Hybrid-Fahrzeuge, die herkömmliche Verbrennungsmotoren mit einem Elektroantrieb kombinieren. Der Toyota „Prius“ ist auch in Deutschland und auf dem US-Markt seit Jahren sehr erfolgreich.

Daimler (Smart) und BMW (Mini), die ihre Elektroautos derzeit als Versuchsfahrzeuge in Berlin testen, kommen frühestens 2012 mit Kleinserien auf den deutschen Markt. VW ist erst 2013 elektrisch am Start. Früher, nämlich 2011, wollen die US-Autokonzerne Ford und General Motors (GM) mit rein elektrisch angetriebenen Autos US-Kunden für sich gewinnen. Später, wahrscheinlich ab 2012, kommen die Fahrzeuge auch auf den deutschen Markt. Opel will den „GM Volt“ hierzulande als „Ampera“ vermarkten. Ford testet den elektrischen „Focus“ derzeit in einem Großversuch in Nordrhein-Westfalen. Das Auto soll zwischen 35 000 und 40 000 Euro kosten.

Die ambitioniertesten Pläne für den Massenmarkt haben aber Renault und Nissan. Konzernchef Carlos Ghosn hatte auf dem Genfer Autosalon angekündigt, die beiden Autohersteller könnten 150 000 elektrische „Leaf“ in Japan bauen, 200 000 in Europa und mehr als 200 000 in den USA. „Renault macht Druck“, sagte Ferdinand Dudenhöffer, Autoexperte an der Universität Essen-Duisburg. Viele Hersteller hätten Serienfahrzeuge angekündigt, zu kaufen sei in Deutschland aber noch kein einziges. Positiv bewertete Dudenhöffer dennoch die Aufstellung des Daimler-Konzerns, der künftig enger mit Renault-Nissan zusammenarbeiten will. Im Gespräch ist auch eine Kapitalbeteiligung. Am Dienstag nach Ostern will der Renault-Verwaltungsrat eine Entscheidung darüber treffen. Daimler hatte unlängst auch eine Kooperation mit dem chinesischen Batterie- und Autohersteller BYD bekannt gegeben. Außerdem arbeitet der Stuttgarter Konzern eng mit den Unternehmen Evonik und Litec bei der Fertigung von modernen Lithium-Ionen-Batterien zusammen. Ab 2012 sollen damit jährlich 20 000 Electro-Smarts ausgestattet werden. Obwohl die meisten Experten davon ausgehen, dass Elektrofahrzeuge auch in zehn Jahren nur Nischen auf dem globalen Automarkt füllen werden, sind die Perspektiven für den ressourcenschonenden Antrieb positiv. Eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Bain zeigt etwa, dass es bereits heute einen Markt für jährlich 100 000 Elektrofahrzeuge allein in Europa und 350 000 weltweit gibt. Die Batterie, die Elektroautos heute noch sehr teuer macht, wird Bain zufolge durch die Kostensenkungseffekte der Massenproduktion bis zum Jahr 2020 nur noch rund ein Drittel kosten.

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