Elektroautos : Verkehrspolitiker unter Strom

Bundesregierung ruft Deutschland zum Vorbild für Elektromobilität aus – Kritiker zweifeln an den Plänen.

Berlin - Das Ziel liegt weit in der Zukunft und ist deshalb ambitioniert: 2020, in elf Jahren, sollen nach dem Willen der Bundesregierung eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen fahren. Das wären zwar nur weniger als zwei Prozent aller heute in Deutschland zugelassenen Pkw. Gemessen am Stand der Technik und Marktreife erscheint die Zahl allerdings reichlich hoch gegriffen.

Mit dem „Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität“, den die Regierung am Mittwoch im Kabinett verabschiedet, soll die Entwicklung von batteriebetriebenen Wagen aber verstärkt gefördert und die nötige Infrastruktur bereitgestellt werden. Noch ein ambitioniertes Ziel: Deutschland soll mit staatlicher Starthilfe zum Weltmarktführer für Elektroautos werden.

500 Millionen Euro hat der Bund bereits über das Konjunkturpaket II für die Förderung von Forschung und Entwicklung zukunftsfähiger und nachhaltiger Mobilität zur Verfügung gestellt. Nun definiert der Entwicklungsplan konkretere Maßnahmen und Forschungsschwerpunkte: Batterietechnologie, Netzintegration sowie die Marktvorbereitung und -einführung von E-Autos.

„Unser Ziel ist es, Deutschland zum Leitmarkt für Elektromobilität zu machen“, sagte Wirtschaftsminister Karl- Theodor zu Guttenberg (CSU). Der Plan werde helfen, den Traum vom Individualverkehr ohne Lärm und Abgase Realität werden zu lassen. Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) sagte, ein neues Zeitalter sei eingeleitet. „Ab 2011 wird es den Massenmarkt (für Elektroautos) geben – das ist ein Riesensprung nach vorne“, erklärte Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD). Dass der Staat mit Kaufanreizen für Elektroautos nachhelfen will, ist Konsens. Auf konkrete Summen konnten sich die Minister nicht einigen. Gabriel hatte einen Zuschuss von je 5000 Euro für die ersten 100 000 E-Autos vorgeschlagen – war aber am Widerstand von Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) gescheitert.

Umwelt- und Verkehrsverbände warnten vor zu viel Optimismus. Bei dem Entwicklungsplan handele es sich um Augenwischerei, kritisierte der Naturschutzbund Deutschland. Es gebe noch zu viele Stolpersteine und Unklarheiten. Der Verkehrsclub Deutschland plädierte dafür, statt einer bestimmten Technologie generell den Bau spritsparender Modelle zu fördern. Dies forderte auch die Deutsche Umwelthilfe. Winfried Hermann, verkehrspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, sagte: „Der große Plan kommt deutlich zu spät, bleibt insgesamt wolkig und bietet zu wenig.“ Fünf Milliarden Euro würden in eine ökologisch und wirtschaftspolitisch unsinnige Abwrackprämie gesteckt, während nur 500 Millionen Euro „irgendwie“ für die Förderung alternativer Technologien vorgesehen seien. Der Autoverband VDA begrüßte den Entwicklungsplan. Für eine nachhaltige Mobilität von morgen sei der Elektroantrieb eine Schlüsseltechnologie. mot

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