Wirtschaft : Elektrobranche sieht Ende der Talsohle

Berliner Elektroindustrie will Strukturwandel in diesem Jahr abschließen BERLIN (olm).Die schlimmsten Jahre scheint die Berliner Elektroindustrie hinter sich zu haben.Nach den bisher vorliegenden statistischen Daten der zurückliegenden vier Quartale 1997 hat der seit der Wende eingeleitete Strukturwandel nun endlich die Phase stabilerer Marktdaten erreicht."Alles deutet daraufhin, daß wir am Ende des laufenden Geschäftsjahres 1998 die Talsohle durchschritten haben", sagte der für die Landesstelle Berlin verantwortliche Vorsitzende des Zentralverbandes der Elektrotechnik- und Elektroindustrie (ZVEI), Jürgen Hahn, am Donnerstag.Treffen die positiven Prognosen zu, werden auch die gerade in Berlin und im Umland wirksamen Sondereinflüsse der letzten Jahre, die dem weltweiten Strukturwandel teilweise entgegenstanden, an Bedeutung verlieren.Als besondere Belastung für die Branche vor Ort nennt Hahn die Zerschlagung der ehemaligen DDR-Kombinate, die abgeschlossene Digitalisierung des Telefonnetzes und den damit verbundenen Auftragsverlust der Zulieferfirmen sowie die nur langsam greifende Ausrichtung der Berliner Unternehmen auf die Exportmärkte.Noch gehe die Schere zwischen Umsatz und Produktion in der Stadt deutlich auseinander, sagte Hahn.Zentrale Bereiche von Großunternehmen siedelten sich in der Stadt an und unterstützten den Trend der Hersteller in Richtung Softwareentwicklung und Projektierung komplexer Systeme und Anlagen.Die Folge war ein kräftiger Anstieg der in Berlin fakturierten Umsätze.Gleichzeitig ging die Produktion in der Hauptstadt mit einem dicken Minus von mehr als sechs Prozent deutlich zurück.Auch für die Beschäftigten der Elektrobranche Berlins gab es 1997 noch keine Entwarnung.Der Abbau von 3370 Arbeitsplätzen entsprach einem Einbruch von rund neun Prozent.Die Abwanderungen Berliner Firmen ins Umland spielten dabei nur eine untergeordnete Rolle.Das in Brandenburg bilanzierte Beschäftigungsplus von 6,5 Prozent entsprach in der Summe lediglich 440 Arbeitsplätzen.Die Berliner Einbußen konnten durch die Ergebnisse in den umliegenden Regionen nicht kompensiert werden.Für das gesamte von Berlin aus verwaltete nordostdeutsche Gebiet - zusammen mit Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt - ging die Zahl der Beschäftigten um gut sechs Prozent auf nun 51 350 zurück.Damit bleibt Berlin aber mit 34 500 Arbeitsplätzen und dem größten Firmenanteil unter den 100 Verbandsmitgliedern immer noch weitaus wichtigster Produktionsstandort in dieser Region.Als Überlebensstrategie insbesondere für die Berliner Elektrobranche empfiehlt Hahn, den im globalen Wettbewerb stehenden industriellen Mittelstand darin zu ermutigen und zu fördern, technologisch hochwertige Erzeugnisse zum Schwerpunkt der Produktion zu machen."Wenn wir uns darauf konzentrieren, nur Elektrokabel an die Wand zu nageln, wird der Anschluß nicht zu bewerkstelligen sein", sagte Hahn.Mit seinem wissenschaftlichen Umfeld biete der Standort alle Voraussetzungen, um im internationalen Wettbewerb mitzuhalten.Der Verbandschef warnte davor, aufgrund der bekannten Schwierigkeiten die industrielle Produktion zu vernachlässigen und künftig einseitig der Dienstleistung den Vorzug zu geben.Eine positive Entwicklung in der Region sei nur zu erreichen, wenn das Verhältnis von Industrie, Handel, Handwerk und Dienstleistungen ausgewogen bleibe.Als Beispiel für vorhandene Defizite nannte Hahn die immer noch starken Reibungsverluste zwischen Wissenschaft und Wirtschaft.Statt nachträglicher Technologietransfers sollten Forschungsziele künftig gemeinsam definiert werden.Als positiv bewertete Hahn die gute Kapazitätsauslastung der Unternehmen von durchschnittlich 83 Prozent.Auch die Reichweite des Auftragsbestands ist mit 5,3 Monaten leicht gestiegen.In einer Konjunkturumfrage Ende vergangenen Jahres erwarteten 90 Prozent der Firmen für die nächsten Quartale bessere oder gleichbleibende Auftragseingänge.

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