Wirtschaft : Elektrobranche will Tarifverträge kippen Industrie klagt über hohe Kosten

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Frankfurt (Main) (ro). Wegen der schlechten Lage in der Branche will die Elektroindustrie den Tarifabschluss des vergangenen Jahres kippen. „Das wäre ein wichtiges, positives Zeichen für Einsicht und die Reformfähigkeit“, sagte Gotthard Graß, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes ZVEI, am Mittwoch in Frankfurt (Main). Grund sei das trübe Konjunkturumfeld, die belastenden Beschlüsse der Bundesregierung sowie die Ertragsprobleme vieler Betriebe. Sein Verband appelliere an die Tarifparteien IG Metall und Gesamtmetall, einen solchen Schritt zu prüfen, erklärte Graß. Der Tarifvertrag sieht im Juni 2003 eine weitere Anhebung der Löhne und Gehälter um 3,1 Prozent vor.

Die Aussichten für die deutsche Elektro und Elektronikindustrie sind dem ZVEI zufolge trübe. In diesem Jahr wird der Umsatz der hier zu Lande wichtigsten Industriebranche um vier Prozent auf 154 Milliarden Euro sinken, die Produktion sogar um fünf Prozent zurückgehen, erwartet Graß. 2003 gebe es allenfalls eine „rote Null“. Die Unternehmen hätten seit vergangenem Herbst 40 000 Arbeitsplätze gestrichen, weitere 4000 kämen bis Jahresende hinzu. „Mit weniger als 840 000 Mitarbeitern haben wir dann den tiefsten Stand seit 1960“, sagt Graß. Mit den Beschlüssen der Koalition ging der ZVEI-Geschäftsführer hart ins Gericht. Sie seien gekennzeichnet von Aktionismus und Durcheinander. Für die Elektro- und Elektronikindustrie bedeuteten sie höhere Kosten von 500 Millionen Euro pro Jahr. Überlagert würden diese Folgen durch die internationale Wirtschaftsschwäche. Von Januar bis Ende September schrumpfte der Umsatz der Branche um sechs Prozent auf 113 Milliarden Euro.

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